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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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son vorschlagen, ja geradezu sie ernennen, auch Synoden Vor-sitzen, die über einen Papst richteten und ihn absetzten. Die Kaiserbezeichneten sich noch oft als „Vögte der heiligen römischen Kirche"und taten es im Sinne der Vögte der deutschen Vischofskirchen.Was in Deutschland kraft der Ausdehnung des Eigenkirchen-rechtes auf die Neichsbistümer königliche Übung war, schien auf derHöhe der Salierzeit sich auch für das Papsttum durchsetzen zuwollen, allerdings auf Grund der Nechte des Patrizius, der allesandere war als ein Eigenkirchenherr. Die Papstwahl den Begierdenrömischer Parteien zu entziehen und edlen Trägern die Obergewaltin der Kirche zu geben, war einigen der Ottonen und Salier möglichgewesen. Heinrich III. erhob eine Neihe von Deutschen, die, indemsie ihre Bistümer beibehielten, Glieder der deutschen Neichskircheblieben. Gerade sie veredelten die kuriale Verwaltung, die Kanzlei,machten diese zu einer rein päpstlichen, sie konnten in die Zahl derKardinäle Nichtitaliener einschieben und gaben damit ihrer Kurieerhöhten Weitblick. Die mit diesen Teutschen einsetzende Neihe vonsittenreinen Päpsten sättigte die Kurie mit rein kirchlichen, religiös-aszetischen Gedanken, die mit den kaiserlichen Gedanken bald nichtmehr einig liefen. Diese „kluniazensische" Gedankenrichtung, die anden älteren kirchlichen Nechtszustand anknüpfte, wirkte auf großeTeile des Klerus und der Laien nicht nur in Nom, sondern weithin,auch in Deutschland ein. Das Papstwahldekret Nikolaus II. (1059)riegelte kaiserlichen Einfluß fast ab. Gregor VII. war von dieserIdeenwelt erfüllt, er wurde ihr tatkräftiger Führer. Darf man Ottodem Großen ernsthaft den Vorwurf machen, daß er das Aufkommenund den Sieg dieser Gedanken nicht vorausgesehen hat? Nein.Auch andere Staaten erlebten den Investiturstreit; in Deutschlandwurde er am heftigsten, einmal wegen des Kaisertums, dann weildie deutsche Neichskirche am engsten mit dem Staate verbundenwar. Während diesem deutschen Systeme, das wir noch kennen-lernen werden, keine starken kirchlichen Ideale zugrunde lagen, ver-fügte die andere Nichtung über sie. Langsam zerbröckelte die altedeutsche Auffassung. Das Wormser Konkordat 1122 erwies sichals eine Niederlage der Krone, als eine Wesensänderung der deut-schen Kirche, wenn das auch nicht sofort in die Erscheinung trat.

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