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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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viel zu weit, um eine stetige Negierungsgewalt wirksam ausüben zukönnen. Die Unruhen führten durchschnittlich alle sechs Jahre einenHerrscher dieser Periode über die Alpen. Fast nie kam er ohne einHeer. Das war für Italien zu wenig, für Teutschland zu viel.

Das sommerliche Klima war den Deutschen gefährlicher als diefeindlichen Schwerter. Wächst das Maß der Leiden Italiens insAnerträgliche, so sehnt man den Kaiser herbei, weilt er in densonnigen Fluren, so vermißt man die eigene Angebundenheit.

Diese Neuerwerbungen dem Neiche einzufügen, war sehr schwer.DasKönigreich Italien hatte in Pavia eine Hauptstadt mit altüberliefertenBehörden. Da war das oberste Gericht und die königliche Kammer,ein Finanzministerium, das die Grenzzölle, ja die Goldwäschereiender Flüsse und Väche überwachte. Schon die Kaiserin Theophanugriff in dieses Getriebe ein, als sie die Vormundschaft für ihren SohnOtto III. führte. Nach dessen Tode erhob sich ein italienischer GroßerArduin, er wurde im Sinne der nationalen Bewegung zum Königegewählt. Zwar vertrieb ihn Heinrich II., der dann in Pavia ge-wählt und gekrönt wurde. Bei einem Tumulte am Krönungsabendewurde die dortige Pfalz zerstört und zum zweiten Male unmittelbarnach Heinrichs Tode. Der König hatte das oberste Nichteramt anein Grafengeschlecht gegeben. Die übermütigen Pavesen wollten diePfalz innerhalb der Stadt nicht dulden, sie wurde in ein Klostervor der Stadt verlegt. Neichshauptstadt zu sein, die Behördenmöglichst zu behalten, den König vor die Stadt zu verweisen, ist einWiderspruch. Da leuchtet außerhalb Noms zum ersten Male dieGefahr für die deutsche Herrschaft auf, die die Städte Italiensboten. Es wird begreiflich, daß die späteren Kaiser ihre deutschenTruppen auf die ronkalischen Felder führten und dahin die Italienerzu einem Reichstage luden. Konrad II. wurde in Mailand gekrönt,daneben geschah das auch in Monza, wo die „eiserne" Krone aufbe-wahrt wurde. Pavia verlor gänzlich den Charakter der Neichs-hauptstadt.

Auf die äußerst verwickelte Geschichte der Verwaltung der StadtNom und des Kirchenstaates einzugehen, ist hier nicht der Ort. DasKaisertum behauptete dauernd weder ein Absteigequartier noch einewirksame Vertretung in der ewigen Stadt. Gehörte der Kirchenstaat

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