Doch bald wurden durch die Kurie die Kirchen von Polen undUngarn verselbständigt. Daß Böhmen, aber auch andere Slawenin den Bann des römischen Imperiums traten und in ihm lebten unddachten, hat jüngst ein Tscheche (Noväk 1925) gezeigt. Sie hängtenihr Herz an das übernationale, christliche, universale Imperium. Alsdas Reich einen nationalen Charakter annahm, kühlte sich die Ge-sinnung der Tschechen ab.
Das Kaisertum ist allen deutschen Stämmen als eine von Gottgewiesene Aufgabe ans Herz gewachsen; auch keiner der Nachfolgerdes Neubegründers stand ihm gleichgültig gegenüber. Ottos nächsteErben glaubten sich auf dieser übersteigerten Höhe dauernd einrichtenzu können. Heusler hat das schöne Wort gesagt: „Eine wunderbareErscheinung und so deutsch durch und durch, gepaart aus altger-manischem Keldendrange und christlicher deutscher Mystik, gewaltigund tiefsinnig zugleich. Solche Erscheinungen tragen durch die Groß-artigkeit ihrer Konzeption die Nechtfertigung in sich. Der Erfolgtut es nicht." Auswärtige Aufgaben haben manchem Staate Kraftgegeben, so die Vesiegung der Mauren Spanien und Portugal, derKrieg gegen England Frankreich. Die gemeinsamen Nömerzügehaben aus den deutschen Stämmen eine politische Nation gemachtvoll von Kraftgefühl und Glauben an eine glänzende Zukunft. Alssich auch Burgund anschloß, war Mitteleuropa unter deutscher Lei-tung konstituiert. Der Glaube an die Einheit der Christenheit, anderen Spitze ein geistlich-weltliches Toppelregiment stehe, hat deminnerlich am meisten gefestigten nationalen Staate jener Jahre dieKaiserkrone gegeben. An diesen Zeiten höchster Geltung deutscherMacht erlabte sich in den schweren Jahren der Fremdherrschaft dieRomantik und gab dem deutschen Volke den Antrieb, sich wiederzu einigen. Der Gedanke an das unteilbare Imperium hemmte auchdie Möglichkeit, überhaupt eine Teilung des mittelalterlichen deutschenReiches zu erwägen.
In diese erwärmenden Gefühle mischen sich dem, der die Wir-kungen erwägt, auch andere Gedankengänge. Zunächst war Italienaus inneren Wirren und das Papsttum aus seiner Versumpfungerlöst. Doch die Stadt Rom kam so wenig zu dauernder Nuhe wieItalien. Der Abstand der Heimat der Kaiser von Italien klafterte
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