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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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beiden Neiche diesseits und jenseits der Alpen zu einer Einheit zu ver-einigen. Der Versuch mißlang. Dem Kampfe einer rebellischenAristokratie wurde so Italien durch Otto I. entzogen, der Adelheid,die Erbin des Neiches, befreit hatte und dann sie heiratete.

Otto erneuerte 962 auch das Kaisertum. Ist schon jener ErwerbGegenstand ernster Erwägungen, so der zweite erst recht ein Zank-apfel auch für die urteilsfähigsten Historiker. Meines Erachtens mußman aufs sorgfältigste die Gesichtspunkte, die die Zeit der Hand-lung hatte oder doch haben konnte, von der Betrachtung der späterenFolgen unterscheiden. Der wird hochmittelalterlichen Herrschern ambesten nahe kommen, der die Macht idealer, ja überidealer Ziele sichvor Augen hält. Aber dieser irdischen Welt thronte die religiöseÄberwelt, die geistige Macht des Lebens im Jenseits, für das dasErdenleben nur eine Vorbereitung und Probe ist. Der Gedanke desKaisertums war nicht untergegangen. Ohne dieses weltliche Vandaller abendländischen Christenmenschen erschien die Welt nicht voll-kommen. Die Harmonie zwischen dem ersten unter den Christenfürstenund dem Haupte ihrer Kirche war für viele Seelen ein Postulat, einDogma. Karl hatte es erfüllt und Karl war für Otto das eigentlicheVorbild, nicht Konstantin der Große. Alle Könige fühlten sich alsvon Gott bestellt. Die religiöse Auffassung vom Berufe eines jedenHerrschers war im Gedanken des Kaisertums zu höchst gesteigert. Tantenannte ihn den Pfleger der Erdenrunde. Die Zeit lebte in festemGlauben an diesen religiösen Untergrund.

Zwischen der Lage von 800 und der von 962 sind die Ähnlichkeitenüberraschend. Das Papsttum war in seinen Trägern tiefer gesunken alsdamals, in beiden Fällen beriefen Päpste den König nach Nom.Auch jetzt gab es in Nom keine Nuhe und Sicherheit, auch jetzt konntedie ewige Stadt sich selbst nicht läutern und erheben. Im Nahmender stadtrömischen politischen Überlieferung, wo der Stadtadel dasPapsttum als sein Eigentum in Anspruch nahm, schien es unent-rinnbar dem sichtlichen Niedergange verfallen und damit demabendländischen Kulturkreise ein moralischer Mittelpunkt geraubtzu werden. Otto gebot zwar nicht über fast das ganze Abendland,wie einst Karl, aber sein Neich war der Zentralstaat des Kultur-kreises, er war der räumlich ausgedehnteste, der innerlich am meisten

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