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Der deutsche Staat : Verfassung, Macht u. Grenzen 919 - 1914
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einer Oberherrschaft über den Kirchenstaat führen? Der Weg vonder Schutzherrschaft zur Oberherrschaft ist nicht weit.

Die noch heute jeden tief ergreifende Karfreitagsliturgie, die inhochheiliger Stunde Gebete für alle Aufgaben des Christentumssingt, nahm in ihrer römischen Fassung schon 774, neben dem Gebetefür den römischen Kaiser, den fränkischen König Karl auf, wie indas „Nxnltst" vom Karsamstag die Franken. Das war noch keinVruch mit Vyzanz. Die gefälschte Arkunde, nach der Kaiser Kon-stantin dem Papste Silvester neben anderm die Herrschaft überNom, Italien und das Abendland schenkte, ist in diesen Jahrzehntenentstanden. Sie richtete sich gegen Vyzanz oder wandte sich an dieFranken, vielleicht war sie an beide gerichtet. Diese konstantinischeSchenkung erklärt sich aus Zuständen rechtlicher Unklarheit.

Papst Leo III. (795-^816) hatte die Schutzherrschaft Karls deut,lich dadurch anerkannt, daß er nach seiner Wahl dem Frankenkönigeaußer dem Wahlprotokoll das Vanner der Stadt Nom sandte.In Rom leidenschaftlich angefochten, ja mißhandelt, fluchtete er zuKarl nach Paderborn. Dieser erschien Ende 809 selbst in Nom,nahm dort den Neinigungseid des Papstes an. Zwei Tage nachhersetzte ihm der Papst die Kaiserkrone auf. Mindestens die Ausführungkam Karl überraschend. Die Initiative des weltgeschichtlich bedeut-samen Schrittes lag sicher beim Papste. Er war gegen Vyzanzgerichtet, wie gegen unzuverlässige Römer, bedeutete jedoch auch eineKlärung gegenüber dem Frankenkönig. Wie aber dachte Karl? EinZwang, auf Vyzanz Rücksicht zu nehmen, lag im Augenblicke nichtvor; denn eine Frau saß auf dem Kaiserthrone. Später hat Karl inVyzanz verhandelt. Es bleiben allerhand Möglichkeiten offen, derStreit der Meinungen wird auch wohl kaum je beendet werden. Aberwar nicht schließlich die Gedankenrichtung Karls, wenn auch von derdes Papstes verschieden, doch mit ihr vereinbar? Schwerlich hat einestarke Erinnerung des antiken Kaisertums auf ihn eingewirkt, als erdie Krone annahm. Seine Beweggründe sind auf dem religiösenund fränkischen Voden zu suchen. Ihn bewegte der Missionseifer, ererschien ihm wohl im Vunde mit dem Papste noch fruchtreicherals ohne ihn. Er griff in die Kirche seines Reiches weit ein, selbstins dogmatische Gebiet. Ein jüngst gefundener Vrief an den Papst

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