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2 (1896) Mittel- und Norddeutschland
Entstehung
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Der Personalkredit des ländlichen Kleingrundbesitzes in der Provinz Posen. 401

einem billigeren Zinsfüße und namentlich zu bequemeren Tilgungsbedingungeuals bei Privatpersonen und dadurch wird der unorganisierte Individualkredit,soweit er sich auf solider Grundlage bewegt, auch für die Folge erheblichzurückgedrängt weiden.

Bedauerlicherweise muß aber anerkannt werden, daß gewerbsmäßigeWucherer sich noch Vielfach die vorhandenen Lücken der Kreditorganifationnutzbar machen, und daß es nur felten gelingt, strafrechtlich dagegen ein-zuschreiten. In erster Linie fallen diesen Wucherern diejenigen Personen indie Hände, welche nach den statutarischen Bestimmungen aus öffentlichenoder Vereinskassen nicht mehr Hilfe erlangen können. Gerade diesen wirt-schaftlich Schwächsten wird, wenn sie überhaupt noch etwas zu verlierenhaben, durch gewiffenlofe Geldmenschen sehr bald der Rest gegeben, und esmag der Mutlosigkeit solcher Opfer zuzuschreiben fein, daß sie von denHandlungen der Wucherer, welche ihre Existenz vollständig vernichteten,nicht den BeHürden Kenntnis geben, damit diefe der Angelegenheit nähertreten können.

Hierzu tritt noch der fast gefährlichere versteckte Wucher, welchen vieleProduktenhändler, namentlich solche aus kleinen Städten, mit den länd-lichen Kleingrundbesitzern treiben und von dem oben bereits die Rede ge-wesen ist.

Außer deu dort erwähnten Geschäften bieten sie auch vielfach den Leuten,welche Vieh, Saatgetreide, Ackergeräte u. dergl. kaufen müssen, in fcheinbarguter Absicht ihre Mittel an, und der leichtgläubige Bauer läßt sich durchdiefe Art der Menfchenfreundlichkeit leider sehr oft bestechen. Zu einemDarlehen wird ein zweites geliehen, und so kommt es sehr oft vor, daßder betreffende Bauer bald, unter gar nicht einmal hart erscheinenden Be-dingungen, in eine nicht mehr zu beseitigende Abhängigkeit von dem Wucherergelangt. Oft ist auf solche Weife schon zur Saatzeit die ganze kommendeErnte dem Wucherer verschrieben und bald Haus und Hof dazu. Derleichtgläubige Bauer ist dann gar uicht einmal fo einsichtig, zu erkennen,wer feinen Ruin herbeigeführt hat, und oft wird eine Subhastation aufdie schlechte Lage der Landwirtfchaft oder auf persönliches Mißgefchick desBesitzers zurückgeführt, ohne daß jemand erfährt, aus welchen wahrenUrsachen dieselbe entstanden ist.

Soviel steht allerdings fest, daß keine Kasse bewußter Weise einemWucherer ihre Mittel hergiebt, und glaube ich auch kaum, daß es eiuemsolchen irgendwo gelingen wird, eine Verwaltung über feine Persönlichkeitund Absichten zu täuschen, da dieselben in ihren Geschästsbezirken doch einegenaue Kenntnis der Perfonen und Verhältnisse besitzen, jedenfalls aber im

Schriften d. V. f, Socilllpol. — Perlonollredit. II, 26