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2 (1896) Mittel- und Norddeutschland
Entstehung
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Der Peisonlllkredit im Gebiete der thüringischen Staaten. 297

selten reell zu haben sind, die allergrößte wirtschaftliche Bedeutung undschon allein um deswillen erfüllen die ländlichen Darlehnskassen einenwichtigen Beruf. In nur selteneren Fällen werden dabei gesonderteKonsumvereine gebildet. Bei dem engen Beisammenwohnen, aus demengen Vertrauensverhältnis Aller zu Allen, welches bis jetzt noch nie ge-täuscht worden ist, genügt es in den meisten Fällen, daß der Vorstanddirekt oder durch eine Kommission Bestellungen sammelt, ausführt undBedingung wie Tag der Abnahme bekannt giebt. Wer seine Bestellungnicht sogleich bar bezahlt, der laßt sich nnter Beibringung eines Bürgenordnungsmäßig mit einem Darlehn belasten, welches ihm sicher wenigerkostet, wir der weiter oben geschilderte Händlerkredit.

Was die Verwendung der Darlehn überhaupt betrifft, so kann imallgemeinen gesagt werden, daß Darlehn überwiegend aufgenommen werdenzur Beschaffung von Betriebsmitteln, zu Landantauf, und wohl auch zuBaulichkeiten und Betriebseinrichtungen; seltener zu Meliorationen.Mehrere der Verbandsberichte heben indessen hervor, daß ein großer, jamitunter der grüßte Teil der Darlehn zur Schuldentilgung, mit andernWorten, zur Befreiung von kleinen, jedenfalls drückenderen sog. Trempel«schulden verwendet werden.

Über die durchschnittliche Dauer der Abtragung der Darlehn könnennaturgemäß nur ältere Vereine berichten. Die durchschnittliche Tilgungs-zeit schwankt da zwischen fünf und zehn Jahren.

Daß eine bedeutende Einschränkung des Wuchers durch die Darlehns-tassen eingetreten ist, läßt sich aus allen denjenigen Berichten ersehen,für deren Bezirke verwucherte Landschaften überhaupt in Betrachtkommen.

Schließlich bleibt noch etwas über die Spareinlagen zu erwähnen.Leider geben die Berichte darüber einen nur sehr mangelhaften Aufschluß.Nur drei Verbände drücken das Verhältnis derEinlagen" in bestimmtenSummen aus, und zwar geben diese drei Verbände mit zusammen16 Vereinen für 1859 Einlagen eine Gesamtsumme von 334136 Markan, so daß auf einen Einleger durchfchnittlich 181 Mark kommen. DieEinleger sind Landwirte, kleine Handwerker, meist mit etwas Landwirt-schaft, und Tagelöhner. Aus den Berichten läßt sich leider nicht ersehen,inwieweit es sich hier um bloße Spareinlagen handelt, oder ob auch größereKapitalanlagen dabei sind. Viele der aufgeführten Einleger sind auchKinder. So haben in einen, der Verbände 108 Kinder Spareinlagen inHöhe von 1212 Mark.