278 vr. Franz,
nicht hartherzig, geht aber dann scharf an den Grenzen hin, die durchdie Wuchergefetze Gott sei Dank gezogen sind, wenn es ihm nicht vielleichtgelingt, durch labyrinthische Schliche und im sichern Vertrauen auf dieVerschwiegenheit des sich seiner Lage schämenden Schuldners diese Gesetzezu umgehen.
Mit den Geschäften diefer letzteren Art von Kapitalisten, deren Wohlin allen Städten und in vielen Landstecken vorkommen und die durchausnicht das Judentum zur notwendigen Voraussetzung haben, stehen wirbereits mitten im Wuchertume. Es giebt große, reiche und selbst zumTeil angesehene Leute, die auf solche Art ihr Vermögen erworben haben.Wie es auch kleine Verleiher dieser Art giebt. Bei allen diesen suchenzumeist nur solche Leute um Darlehn nach, die schon nicht mehr sicherstehen, die darum gefügig und fchweigfam und in der weiteren Ent-wicklung vielversprechend sind. Auch diejenigen Landesteile, die man imallgemeinen durchaus nicht verwuchert nennen darf, wie das mittlere undöstliche Thüringen, bergen allenthalben einzelne Prachtexemplare vonsolchen Kapitalverleihcrn. Manche derselben treiben in Verbindung damitdas Güterschlachten, und einzelne bedienen sich dabei gelegentlich auchmit Geschick des Kredits städtischer Sparkassen oder Spar- und Vorschuß-vereine.
Wie beklagenswert auch solche Vorkommnisse sind, die nicht aus derWelt zu schaffen sein werden, so lange es Menschen giebt, die durchUnglück oder durch Unverstand und Selbstschuld in unhaltbare Lagenkommen, so sind das doch die harmloseren Wucherformen. Der gefähr-lichere, Mark und Bein ganzer Bevölkerungen zerfressende Wucher istderjenige, der, bei einem unscheinbaren Kuh- oder Kälberhandel, oft aufHllusierwegen beginnend, auf unendlich vielfältige und raffinierte Weifefeine Opfer tiefer und tiefer zu verwickeln weiß und deffen höchste Kunstdarin besteht, nicht etwa die Leute auszuschlachten, sondern womöglichsie ein ganzes Leben lang für sich arbeiten zu lassen, seine Opfer, wiegute Melkkühe, am Leben zu halten. (Vgl. meine Abhandlung: „DerWucher auf dem Lande in Thüringen. Schriften des Vereins für Social-politik, Bd. XXXV. 1887.)
Diefc zuletzt gedachte Art des Wuchers, die noch vor wenig Jahrzehntenin den West- und südwestlichen Teilen unseres Gebietes in hoher Blüte stand,ist dank dem, noch durch die neueren Wuchergesetze unterstützten, Eingreifender ländlichen Kreditanstalten, welchen einzelne halbländliche Vorfchuß-vereine fchon rühmlich vorgearbeitet hatten, ziemlich im Verschwindenbegriffen. Was von dieser Gattung sich vordem mit frecher Stirn als