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durch Kredit an sich gefesselt weiß. Anstatt daß der Landmann sich dasbare Geld bei einer Kreditanstalt — und wäre es selbst gegen hohenZinsfuß — holte, um seine Betriebsmittel gegen bar zu kaufen, läßt erden Händler zur Vorschußbank gehen, um für die auf Kredit abgegebenenWaren wieder andere anfchaffen zu können. Daß dem Händler die Zinfcnnebst einer hohen Prämie für Schererei und Risiko wieder erstattetwerden müssen, liegt auf der Hand. In den reellsten, aber seltenstenFallen geschieht das offen in der Form einer Zinsvereinbarung; in dergroßen Regel aber geschieht es in der Form eines höheren Warenpreisesoder in der weit gefährlicheren Form unreeller Lieferung. In diefenletzteren Fällen aber weiß der Handel ganz genau, daß er es mit Käufernzu thun hat, welche gar nicht foweit denken, den „kleinen Preisauffchlag"sich in jährliche Zinsprozente umzurechnen oder welche die „Qualität"der Ware auf Treu und Glauben hinnehmen, ja welche womöglich dem„prächtigen Mann", der fo bereitwillig den Kaufpreis stundet, mehr auffein Wort vertrauen, wie allen wissenschaftlichen Belehrungen.
Dieses hier geschilderte Kreditsystem ist um so bestrickender, da inden meisten Fällen der Verkäufer von Futter- und Düngemitteln auchder Käufer für das Getreide ist. Es wird da oft nicht allein der Preisfür abgegebene Waren gestundet, sondern es weiden nach Umständen auchschon auf Getreidelieferungen abfchlägliche Vorauszahlungen geleistet. Sokann ein ganzer Rattenkönig von Verbindlichkeiten entstehen, aus welchemder bieder'dankbare Landmann nimmermehr loskommt. Zumal in einerZeit, wo uns das überseeische Getreide beinahe unter dem heimischenProduktionspreise hereingebracht wird, muß der kleinere Landwirt ohnehinschon seinen Getreidekäufer in guter Laune halten. Mancher Landmannweiß genau, daß er seine Futter- und Düngemittel billiger kaufen könnte,ja in gewissen Fällen, daß er nicht reell bedient ist, mancher beschränkteben deshalb seinen Bedarf, aber diefen Bedarf kann er doch nur beiseinem Abnehmer befriedigen, wenn er es mit dicfem nicht verderben will.Zahlreiche Versuche, für den Bezug von Futter» und Düngemitteln Konsum-Vereinigungen zu errichten, sind an dieser Abhängigkeit vieler Landwirtevom Händler gescheitert.
Es liegt mir fern, aus den hier gefchilderten Beobachtungen folgernzu wollen, daß aus diefer Allmacht des Handels über unsere Bauern-schaft auch allenthalben unreelle Neigungen refultiercn müssen. Wir habengewiß viele Handelsfirmen von so streng reellen Grundsätzen, daß auchder unerfahrenste Landmann sich ihnen vollkommen anvertrauen könnte;doch ein betrübender Zustand bleibt es immer, wenn man sich sagen muß,