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In der Bodenfruchtbarkeit nimmt die Provinz Sachsen im all-gemeinen von den preußischen Provinzen die erste Stelle ein, jedoch istwohl zu beachten, daß auch in einzelnen Gegenden die Grundstücke rechtgeringwertig sind. In den Distrikten rechts der Elbe, an der Muldeund in der Altnmrk ist der Sandboden vorherrschend; in den Höhenlagender Berglandschaften, dem Mansfelder Gebirgskreis, dem Eichsfelde, denbeiden Kreisen Langensalza und Mühlhaufen, durch welche der Hainachin das Eifenachsche zieht, den Kreisen Eckartsbcrga, Weißensee und zumTeil auch Quersurt, durch welche sich südöstlich von der Unstrut bisnach der Saale nach Naumburg und Kosen die Ausläufer der Hainleite,die Schmücke und Finne, erstrecken, ist der Boden flachgründig, kalt undmit Steinen durchsetzt. In all diesen Gegenden ist für eine üppigeVegetation bcfonders des Getreides und der Futterpflanzen eine günstige,feuchtwarme Witterung durchaus notwendig. In dem dürren Jahre 1893traten hier vollständige Mißernten, verbunden mit einem allgemeinenNotstande unter der landwirtschaftlichen Bevölkerung, ein. Dahingegenfind die Landfchaft zwifchen Magdeburg, Halberstadt und Uschersleben,die Gegenden um Nordhausen, Halle, Ersurt und Zeitz überaus fruchtbarund bilden neben den angrenzenden Teilen von Anhalt und Vraunfchweigden Hauptsitz des Zuckerrübenbaues und der Zuckerfabrikation im deutschenReiche. Mißernten gehören hier zu den Seltenheiten.
Von der zu Acker- und Gartenbau genutzten Fläche waren imJahre 1893 dem Getreidebau 61,04°/«, also nahezu zwei Drittel ge-widmet; die niedrigen Preise für Roggen und Weizen in den letztenJahren haben daher auch in der Provinz Sachfen die Notlage unterder landwirtfchaftlichcn Bevölkerung außerordentlich verschärft. DerZuckerrübenbau umfaßte im Jahre 1893 in den oben bezeichneten Gegen-den 118 966 Im oder 7^/4"/» der gesamten Ackerbaustäche ^. Nach demJahresberichte des landwirtschaftlichen Centralvereins ^ hat derselbe imJahre 1894 noch weiter an Ausdehnung gewonnen und ist auf großenund kleinen Gütern nach Maßgabe der Fläche gleichmäßig verbreitet.Durch die hereingebrochene Zuckerkrifis ist deshalb ein großer Teil derLandwirte der Provinz Sachsen am stärksten in Mitleidenschaft gezogen.Neben dem Getreide- und Rübenbau hat man in den letzten Jahren demFutterbau eine erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt und dessen Erweiterung,
' Von der in Preußen im Jahre 1893 mit Zuckerrüben bebauten Gesamtflächewar die Provinz Sachsen allein mit 38,08"/« beteiligt.^ A. a. O. S. 42.