Der Personllliredit des ländlichen KleinglundbesilM in Westfalen. 137
Der Kürncrbau ist die Hauptbetriebsart, die Weidewirtschaft, diebesonders in dem Ruhr» und Lippe-Inundationsgebiete üblich war, istvielerorts sehr geschädigt durch die vielen industriellen Anlagen, sei esdurch Fortnähme des Wassers, sei es durch Zufuhr von schlechtem unddem Graswuchs schädlichem Wasser.
Die Viehzucht (Pferde, Kühe, Schweine und Schafe) ist überall mitdem Ackerbau verbunden. Die Pferdezucht ist erst im Werden begriffen;die Rindviehzucht dagegen ist ziemlich bedeutend und wird überall be-trieben zur Ergänzung des eigenen Bedarfs und auch zum Verkauf. DieHauptnutzung des Rindviehs besteht in Milchverweitung; die Mast zumVerkauf ist selten. Das Moltereinewerbe hat in den letzten Jahren, seitEinführung der Milchschleudern und Molkereigenossenschaften einen nam-haften Aufschwung genommen. Von großer Bedeutung ist die Schweine^zucht, besonders in dem Regierungsbezirke Münster und in Minden-Ravensberg; jeder Landwirt züchtet hier Ferkel, auch der Heuermann.Bei letzterem ist besonders die Schweinemast üblich; der Heuermannkauft sich im Frühjahr eins, meistens zwei bis vier Schweine, von denener gewöhnlich anfangs Winter die Hälfte verkauft, während eins biszwei für den Hausbedarf geschlachtet werden. Wir können Wohl be-haupten, daß in manchen Gegenden dieser Bezirke das meiste Bargeldaus der Schweine-Zucht und -Mast in die Hand des Landwirts fließt.In solchen Gegenden wird bei jetzigen Getreidepreisen alles selbst gebauteGetreide verfüttert, manche Landwirte kaufen noch zu.
Sehr vernachlässigt ist die Schafzucht, und in manchen Gegendenganz verschwunden.
In einigen Gegenden des Sauerlandes wird die Ziegen-Zucht und-Haltung noch in ausgedehntem Maße betrieben, so z. B. im KreiseBrilon und in andern Gebirgstreisen. Dieser Zucht sollte im Gebirgemehr Beachtung geschenkt werden, als das bislang geschehen ist. DieZiege ist die Kuh des kleinen Mannes, vorausgesetzt, daß sie gut genährtund gehalten wird.
Der Handelsgewllchsbau ist außer Zuckerrüben nicht nennenswert.Wein, Tabak und Hopfen wird nicht gebaut, in einigen Gegenden nochFlachs; Hanf selten.
Rübenzuckerfabriken befinden sich in der Provinz Westfalen nur drei,und zwar in Soest, Brakel und Warburg.
An großindustriellen Betrieben fehlt es in Westfalen nicht. Da istzunächst der westfälische Kohlen- und Eifenbezirk an der Ruhr und derEmscher, wo die Schlote in ungezählter Menge in die Luft emporragen.