Druckschrift 
2 (1896) Mittel- und Norddeutschland
Entstehung
Seite
64
Einzelbild herunterladen
 

64 Nechtsanwlllt und Notar Hmrich.

Die Zahlen ergeben zur Genüge, wie ausgedehnt die Thätigkeit deröffentlichen und sonstigen Kassen aus dem aus Hypothekar« und Personal-tredit gemischten Gebiete der Cessionsgeschäfte geworden ist. Die segens-reichen Folgen dieser Thätigkeit und den der Bevölkerung dadurcherwachsenen direkten Gewinn kennzeichnet der Umstand, daß die gewerbs-mäßigen Händler früher bei Übernahme der Steigpreise einen Rabattberechneten, welcher mindestens 7 °/o betrug und bis zu 24 °/o stieg, währendeinzelne Kassen, (so Merzig und Saarlouis) sich jetzt mit 1 °/o Rabatt be-gnügen (s. auch u. S. 74), der Rabattsatz der übrigen Kassen zwischen 1 °/nund 3 °/» schwankt. Die KTeissparkasse Mcrzig berechnet, daß sie seit 1881der Bevölkerung 183 411 Mark, die Kreissparkasse Saarburg, daß sieim letzten Jahrzehnt 105 000 Mark Cessionsrabatt erspart hat. Für dieKreissparkasse Saarlouis kann dieser der Bevölkerung erwachsene Gewinnseit dem letzten Jahrzehnt auf ca. 500000 Mark, sür die Gemeinde-Sparkasse Vülklingen für 6 Jahre auf ca. 50 000 Mark veranschlagtwerden. Zu dem dergestalt der Bevölkerung erwachsenen direkten Ge-winne tritt aber noch ein in vieler Hinsicht unschätzbarer indirekter Ge-winn hinzu, der namentlich auch darin zum Ausdruck kommt, daß dievielen Ansteigerer nicht mehr der Gefahr ausgefetzt sind, zu einer ge-schäftlichen Verbindung mit den gewerbsmäßigen Händlern als Cessionarengezwungen zu werden. Diese einmal begonnene Geschäftsverbindungwurde in der Regel von den Händlern weiter künstlich unterhalten undführte schließlich fast ausnahmslos zur Ausbeutung des durch die An-steigerung ohne seinen Willen zugetriebenen Kunden.

Eine Benutzung der bestehenden Kreditorganisation durch Wuchererzu dem Zwecke, um sich Geld für ihre Operationen zu verfchaffen, istnach der Tendenz dieser Kassen bei sämtlichen öffentlichen Sparkassen undbei der landwirtschaftlichen Bank zu Trier gänzlich ausgefchloffen. Be-züglich der genossenschaftlichen Kassen kann leider ein Gleiches nicht gesagtwerden. Zwar hat die Genossenschaftskaffe zu Ludweiler im letzten Jahr-zehnt derartige in der ersten Zeit ihres Bestehens nicht ausgeschlosseneGeschäftsverbindungen strenge abgelehnt, diejenige zu Bisten aber hat bisin die jüngste Zeit eine derartige Gefchäftsverbindung mit Grundstücks-und Protokollhändlern gepflegt, derart, daß die Händler die Erlöse ver-handelter Immobilien an diese Kasse cedierten oder cessionsweise über-nommene Steigpreise an dieselbe Weiter cedierten, auch sonst die Kasseals Bankinstitut benutzten. In letzterer Zeit bahnt sich aber nach teil-weiser Erneuerung der Verwaltung anscheinend eine Umkehr zum Besserenauch bei dieser Kasse an.