Der Personaltredit des landl. Grundbesitzes im preußischen Saargebiet. 63
den Händen gewerbsmäßiger Händler, welche zugleich auch auf dem Ge-biete des Grundstückshllndels und auf dem Gebiete des damals vonihnen allein gepflegten sog. Protokollhandels (cessionsweise Übernahmevon Versteigerungs-Protokollen) eine ausgedehnte wucherische Thätigkeitentfalteten, wie dies im Eingange ja schon näher beleuchtet wurde.
Hierin ist im letzten Jahrzehnt ein totaler Umschwung eingetreten.Der Immobilienhandel ist, soweit es sich um ländliche Grundstückehandelt, zur Zeit nahezu gänzlich aus der Öffentlichkeit verschwunden.Zu befürchten ist nur, daß das für parzellierte Besitzverhältnisse durchausungeeignete Immobiliar-Zwangsvollstreckungs-Gesetz vom 13. Juli 1883dem Grundstückshandel wieder neuen Vorschub leistet. — Das Cessions-geschäft beruht zur Zeit fast ganz ausschließlich in den Händen deröffentlichen Kassen, der beiden Genossenschaftskassen und der landwirt-schaftlichen Bank zu Trier. Dies läßt sich auch zahlenmäßig nachweisen.So hat die Kreissparkasse zu Merzig, welche im Jahre 1885/86 nur15 447 Mark cessionsweise übernommene Steigpreife aufweist, deren imJahre 1886/8? bereits für 39 601 Mark, 1887/88 für 171480 Markund in den 3 Jahren 1890/93 jährlich für 310-360000, im Jahre1893/94 sogar für 511 240 Mark, im ganzen in den Jahren 1884'1894für 1931396 Mark übernommen. Unter Zugrundelegung der Zahlenin Tabelle III wird man die Gesamtsumme der von der KreissparkasseSaarburg im letzten Jahrzehnt übernommenen Steigpreise auf ca.2 000 000 Mark veranfchlagen können. Die erst am 1. August 1888 inWirksamkeit getretene Gcmeindesparkasse zu Vülkingen hat an Steig,preisen übernommen für das Geschäftsjahr 1. August 1888 bis 1. April1889 für 54 619 Mark, 1889/90 bereits für 209 753 Mark, im ganzenfür die Zeit Vom 1. August 1888 bis 1. April 1894 für 951156 Mark.
Für die anderen Kassen fehlen die Zahlenangaben; es gelten fürdiese aber, mit Ausnahme der Kreissparkasse Saarbrücken, ähnliche Ver-hältnisse, Namentlich ist die Kreissparkasse Saarlouis dem durch Güter-schlächterei und Protokollhandel, betrieben von außergewöhnlich geld-machtigen gewerbsmäßigen Händlern, schwer bedrängten Kreise ein Helferin der Not geworden, welcher das Ccssionsgeschäft fast ganz an sich ge-zogen hat. Der Umsatz dieser Kasse im Cessionsgeschäfte kann unterZugrundelegung der Zahlen in Tabelle III Col. <ü für das Jahrzehnt1885/95 mindestens auf 5 000 000 Mark veranschlagt werden. Auch dielandwirtschaftliche Bank zu Trier hat im Cessionsgeschäfte ca. 600 000 MarkAusstände, wird im letzten Iahrzent also ca. 1500 000 Mark Steigpreiseübernommen haben.