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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§83. Orendel. 341

er will also die Legende vom heiligen Rock darstellen und verbindet damitVerlust und Wiedereroberung des heiligen Grabes. Dazu benutzte er denApolloniusroman, der sich für das beliebte Spielmannsthema von der Braut-fahrt leicht darbot und ohne starke Änderungen verwendet werden konnte, 1 )auch in dem Mantel, den der Fischer dem Schiffbrüchigen gibt, sogar einenBerührungspunkt mit der Zentralvorstellung der Legende, dem grauen Rock,enthielt. Zur Erweiterung und Ausschmückung dienten dann noch leichtund passend sich einfügende Einzelzüge aus der Heldensage 2 ) (wobei auchErinnerung an die alte Orendelsage mit nachklingen mochte), aus der Spiel-mannsdichtung (besonders aus Salman) und aus eigener Erfindung.

Aber Sage und Märchen und Abenteuer waren dem Dichter schließlichnur poetische Mittel, um die wunderbaren Schicksale des heiligen Rockesmit erhöhten Reizen auszumalen. Denn eine Legende wollte er machen,der griechische Seefahrer ist zum christlichen Ritter, zum Helden des heiligenRockes und zum Streiter des heiligen Grabes geworden, der Liebesromanzu einer Kreuzzugsgeschichte. Was er von dem Rock erzählt, ist eigentlichdoch nur äußerlich an- und eingeschoben: die Einleitung des Gedichtesgibt die Vorgeschichte des Heiligtums 113154, die Fortsetzung folgt 564 ff.:8 Jahre (154) sind vergangen, da fängt Or. den Walfisch, der den Rockverschlungen hatte. Auf diese Weise kommt er in den Besitz Or.s, schütztdiesen in seinen Kämpfen und gelangt durch ihn auf himmlischen Befehlnach Trier, wo er in einem Steinsarg vermauert aufbewahrt wird (31623177).Wechselvolle Vorgeschichte, letzter Besitzer, endgültige Niederlegung, dassind die drei Stufen, in denen sich das Schicksal der Reliquie abspielt.Nur die Benennung der Grawe roc erinnert das ganze Gedicht hindurchan den Legendengehalt, und diese Kennzeichnung 3 ) trägt der Held auchdann weiter, nachdem er den Rock in Trier zurückgelassen hat und um dasheilige Grab kämpft.

Was hier als Legende vom Rock Christi erzählt wird, hat gar keineGewähr in der geschichtlichen Überlieferung. 4 ) Denn nach dieser

Str. 2 f., Brynhilds Todesfahrt Str. 8; Swäwa

] ) Das Gepräge einer Brautfahrtgeschichteerhielt das Gedicht erst dadurch, daßOrendelsSchicksale durch den Heiratsplan und denRat des Vaters eingeleitet wurden. Bei derBrautfahrt aber ist es geblieben und es istnicht zur Entführung gekommen: dadurch

im Lied von Helgi Hjorwardssohn Str. 9), soSigrün (I. Lied von Helgi dem HundingstöterStr. 55); wie Bride dem Orendel ihre Hand(und das Reich) anbietet, so Sigrün dem Helgi(ebda Str. 57; IL Lied Str. 14); und wie Bride

unterscheidet sich der Orendel von den ver- ! dem Orendel das siegverleihende Schwertwandten Spielmannsromanen. ] ihres Vaters David schenkt, das eine Reliquie

2 ) Ein Beispiel für Stilisierung im Geiste ! des heil. Pancratius in sich birgt und in die

der Heldensage ist die Auffassung der Brideals Walküre (vgl. Heinzel S. 54. 78; TardelS. 2022; Vogt, ZfdPh. 23, 496 f.; KettneraaO.). 'Sie faht als ein man' 2076, sie reitetmit Brünne und Helm, mit Schwert und Stahl-stange in den Kampf und haut ihren Gattenaus dem Getümmel heraus, so daß er denSieg erkämpft 20392130 (vgl. ferner 3711 ff.3832 ff.). So ist Brünhild Sieghelferin, helfen-der Schutzgeist (Edda: Lied von Sigrdrifa

Erde vergraben ist, mit dem er dann seinenGegner tötet, so weist Swäwa dem Helgi eindurch Zauber gefeites Schwert an, das auf derSigarsinsel versenkt ist und mit dem er seinenFeind erschlägt (Lied von Helgi Hjorw. Str.8 ff).

3 ) Zur Namengebung vgl. Panzer, Hilde-Gudr. S. 307 ff., Sigfrid S. 87. 199, Seifr. v.Ardemont S. IC. CV, Beowulf S. 72. 215 ff.

4 ) Gildemeister und v. Sybel, Der heil.Rock von Trier und die zwanzig andern heil.