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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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18 A. Geistliche Literatur, a) Das hohe Lied.

DIE LITERATURDENKMÄLER.A. Geistliche Literatur.

Die geistliche Literatur der frühmhd. Periode ist von einem einheitlichenGedanken getragen und jedes ihrer Erzeugnisse spiegelt diese Grundideewider, welche ist: die Erlösung des Menschen vorn Leiden der Welt oderdie Vereinigung mit Gott; und die Macht des religiösen Bewußtseins derZeit beeinflußt mehr oder weniger auch die weltliche Literatur. So ent-faltet sich in der Gesamtheit der uns erhaltenen geistlichen Werke ein reichgegliedertes Bild von den Glaubensanschauungen der neuen cluniacensischenFrömmigkeit. Unter dem Gesichtspunkt des Erlösungswerkes ist darum auchhier im folgenden die Anordnung und Einreihung der einzelnen Stücke ge-troffen. Am Eingang steht mit Willirams Hohem Liede das Gottesreich aufErden in seinem Verhältnis zum Erlöser (Christus und die Kirche). Dannfolgen, von Ezzos Heilsgesang eingeleitet, die dogmatischen Dichtungenals Lehre von der Erlösung, darauf die geschichtlichen Tatsachen des ReichesGottes (die Bibel, Legenden, Visionen), und dann die Stücke, welche in dasGebiet der Heilsmittel fallen: Gebete, Büß- und Sittenpredigten. Dann kommtin der Marienliteratur die Mutter Gottes als Erlöserin und zum Schluß dieNaturwissenschaft mit dem Physiologus als tiersymbolische Heilsgeschichte.Mit Willirams Hohem Lied und Ezzos Gesang stehen am Anfang des Zeit-raums zwei Werke, die den herrschenden religiösen Gedanken gleich vonvornherein einen monumentalen Ausdruck verleihen.

a) Das Hohe Lied.

§ 4. Willirams Paraphrase des Hohen Liedes.

Kelle 2,5559. 279; Piper, Alt. d. Litt. S. 446453; Braune, LB. 8 Nr. XXIV u. S. 179 f.Ausg. (vgl. Pietsch, ZfdPh. 9, 227 f.): Paulus Merula, Leiden 1598 (Leid. Hs.), [vgl. S. P. Haak,Paullus Merula 15581607, Leidener Diss. 1901; J. Prinsen, Tijdschr. voor nederl. Taal-enLetterk. 25 (1906), 182188]; Schilters Thesaurus I, 1728 (Bresl. Hs.); Hoffmann (v. Fallers-leben), Breslau 1827 (Bresl. u. Leid. Hs.); v. d. Hagen, v. d. Hagens Germ. 4 (1841), 153173,5 (1843), 143179 (Berl. [Lambacher] Hs.); Seemüller, Die Hss. u. Quellen von Williramsdeutscher Paraphr. d. HL., QF. 24 und Krit. Ausg. (mit Glossar) QF. 28, dazu Pietsch,ZfdPh. 9, 227240. 10, 214227. Scherer, Leben Willirams, Wiener SB. 53 (1866),197303; Th. Wiedemann, Österr. Vierteljahrschr. f. kath. Theol. 3 (1864), 83114; Heinr.Reichau, Will., Abt zu Ebersberg, Progr. Magdeb. 1877 (dazu Pietsch, ZfdPh. 9, 227 ff.).

Willirams Leben. 1 ) Williram stammte aus einem vornehmen fränkischen

Geschlechte, aus dem mehrere Kirchenfürsten des 11. Jhs. hervorgegangen

! ) Scherer aaO., bes. S. 261 ff.; Reichau j erst Scholasticus in Bamberg und dann Mönch

S. 525; Schröder, Gott. gel. Anz. 1910, | in Fulda gewesen wäre, vgl. Reichau S. 12 f.:

320. Einige Hss. nennen ihn in der Ueber- ! der Titel Scholasticus kann vor monachus ge-

schrift des PrologsAbt von Ebersberg" , stellt sein, weil er die speziellere Würde ist.

(Ebersbergensis Abbas, Seemüller, QF. 28 j Er kann auch als Mönch von Fulda eine Zeit-

S. 1 Var.), die Hs. B aber hat Incipit praefatio ; lang Scholasticus in Bamberg gewesen sein,

Willirammi Babinbergensis scholastici Ful- wiez.B.EkkehardIV. innerhalb seinerMönch-

densis monachi (die erste Zeile der Grab- zeit in S. Gallen einige Jahre Leiter der Schule

schrift lautet Fuldensis monachus Wilram de von Mainz war, und dabei Fulda als sein

fönte vocatus), woraus aber immer noch nicht Heimatskloster angesehen haben,mit Sicherheit hervorgeht, daß Williram zu-