234 B. Weltliche Literatur, a) Weltliche Epik von geistlichen Dichtern.
Quelle u. dgl.: Daz ih ouh hörte sagan, daz ni willih nieht firdagin 2%1 f.; ferner 2% 42; 1*, 63; 2", 71; l b , 31. 2», 62. 96 (104); 2\ 67; syntaktischbemerkenswert sind asyndetisch aneinander gereihte Sätze wie Da gieng einman, uuolt da btgiruomian 2% 21 f., ferner l a , 9 f. 15 f. 2>, 15 f. 29 f. 35 ff. 1 )
Die Verse sind kurz, in gedrungenem Typus, und bleiben mehrmalshinter dem Normalmaß zurück (stumpf endende Verse von drei Hebungen,sowohl mit dem Endtakt - als - ^). 2 ) Die Reime bezw. Assonanzen ent-sprechen der frühmhd. Technik um 1100; volle Endsilbenvokale sindnicht häufig.
§ 76. Medizinische Literatur. 3 )
Die wissenschaftliche Medizin-Literatur des MA.s hat ihren Ursprungletzten Endes in der Antike. Lateinische Arzneibücher wurden oft abgeschriebenund gingen unter berühmten Namen, wie des Plinius, Dioscorides, Hippo-crates, Democrit, Apulejus, Placidus. Die ältesten erhaltenen verdeutschtenRezeptsammlungen stammen aus dem späteren 12. Jh.: das Innsbruckerund das Züricher Arzneibuch. Auch die Kräuterbücher dienen medizi-nischen Zwecken, es sind Kräuterrezepte, Aufzählungen pharmazeutischerPflanzen und ihrer Heilkraft (Prüler und Innsbrucker Kräuterbuch).Ebenso galten die Edelsteine für heilkräftig, die 12 wichtigsten beschreibtdas Prüler Steinbuch; die naturwissenschaftlich-medizinischen Lapidarienhatten pseudo-aristotelische Schriften zur Grundlage. Auch einzelne Rezeptesind uns aus dem 12. Jh. erhalten.
Neben diesen wissenschaftlichen (oder als wissenschaftlich geltenden)Heilmittelsammlungen und Rezepten bestand die abergläubische Volksmedizinweiter und auch eine Anzahl von Besegnungen sind aus der frühmhd.Zeit auf uns gekommen.
B. Weltliche Literatur. 4 )a) Weltliche Epik von geistlichen Dichtern.
Die weltliche Epik in deutscher Sprache, in der Form des epischenLiedes, lag bis in den Anfang des 12. Jhs. in den Händen der Spielleute,nun aber, etwa mit dem zweiten Jahrzehnt, griffen auch die Geistlichen aufdieses Gebiet über und suchten durch neue umfassende und zeitgemäße Stoffebesonders auf die ritterlichen Laien zu wirken. Geschult am Volkseposhatten sie den Stil desselben schon in biblischen Erzählungen angewendet
») MSD. II 3 , 192. 194.
2 ) W. Grimm, ZGdR., Kl. Sehr. 4,310-312;Saran S. 252-254.
s ) Wilhelm, Denkm.8 Nr. X— XIII. XV—XXVu.Komm.Iu. IIS. 79-153, vgl. Münch.Mus. 2,365-367; Piper, Nachtr. S. 262—266; Pfeif-fer, WienerSB 42(1863), 111—114.118—127,dazu K. Hofmann, Münch. SB. 1870, 1, 511—
516; Priebsch, Mod. Lang. Rev. 10,203-221;Schlecht, ZfdA. 46, 303—305; Naumann,Ad Prosaleseb. S. 11 f. — v. Steinmeyer, Kl.ahd. Spr. 365-398; LG. 1,96-115.
*) Burdach, Zur Entstehung des m.alterl.Romans, Verhandl. d. 44. Philol.-Vers. zuDresden 1897, 28—31.