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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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A. Geistliche Literatur, e) Mariendichtung.

hinausgeholfen werden kann, der sich ganz von der Verdorbenheit der Weltlöst, dem in der Askese sich verzehrenden Mönche; sondern das Lebenhat, so wie seine Pflichten auch seine Rechte, und Gott ist auch bei dentreuen Ehegatten. 1 ) Vollends aber, wie sollte die Seele, die der Herr schonhier sich als Braut auserwählt, das Gefühl heillosester Verworfenheit in sichtragen, da sie die Hoffnung auf dereinstige unlösliche Gemeinschaft mitGott durch das schuldvolle Leben geleitet? Hier weist ein Priester denMenschen auf ihren Wegen die Bahn zum Himmel und er tut es wie einSeelsorger, der selbst in dem armen Leben lebt, nicht wie ein Mönch, derin der Weltentsagung schon eine höhere Stufe der Geistigkeit erlangt hat.Aus dem Leben gegriffen sind auch die epischen Elemente in beidenDichtungen: die rodenden Bauern, das heiße Eisen, die guten NachbarnimRecht" sind Genrebilder aus der Gegenwart, zu einer Novelle ausgemaltist die Hochzeit. Die einzelnen Hauptzüge sind schon in der geistlichenParabel enthalten, sie sind in das Kostüm der Zeit übertragen. Losgelöstaus den religiösen Bezügen ist es eine Verlobungsgeschichte, ist es jenesbeliebteste Thema der Volks- und Spielmannsdichtung. 2 )

e) Mariendichtung.

Schon in den Anfängen des Christentums genoß die Mutter des Herrnnach natürlich menschlichem Empfinden eine besondere Verehrung. 3 ) IhrerPerson bemächtigte sich bald das Dogma, in den Theologenstreiten des5. Jhs. um die Natur Christi wurde Maria zur deoröxog, Gottgebärerin, er-klärt, als Mutter des Gottsohnes (Nestorianischer Streit, Synode von Ephesus431). Ambrosius in seinem Wirken für das Nonnentum stellt Maria als Vor-bild der Jungfräulichkeit dar, Augustinus aber legte den Grund für dasabendländische Mariendogma, indem er die Mutter des sündlosen Gottsohnesfür sündlos erklärte. Die Weiterentwicklung in der Vergottung der MutterGottes ging dahin, daß Maria schon im Mutterleib für geheiligt erklärtwurde (Paschasius Radbertus 831), um die Mitte des 12. Jhs. kam das Festderunbefleckten" Empfängnis 4 ) auf (um 1140 in Lyon; ältere Marienfestesind: Maria Reinigung, 6. Jh.; Maria Himmelfahrt, 6. Jh.; Verkündigung,

') Heinzel, Heinr. v. Melk S. 44.

') Von sittengeschichtlichem Interesse istdie Darstellung der Vermählungsgebräuche,Vermählung und Hochzeit in der ad. Literaturs. LG. 1, 346 f. u. Nachtr. S. 454; Kauffmann,ZfdPh. 42, 129 ff.

J ) Zur Geschichte des Marienkultus s. Real-enzyklop. 12 3 , 309336, wo Literatur an-gegeben ist; u. bes.: Steph. Beissel, Gesch.der Verehrung Marias in Deutschland währenddes MA.s, Freiburg i. B. 1909; Ernst Lucius,Die Anfänge des Heiligenkults (s. oben S. 143Anm.) S. 420504. 512522; L. Pfann-müller, Frauenlobs Marienleich, QF. 120;

A. Kober, Zur Gesch. d. d. Mariendichtung,ZfdUnterr. 28, 595-619. 691700; Ders ,Gesch. d. religiös. Dichtung i. Deutschi. 1919;Ad. Mussatia, Stud. zu den m.alterl. Marien-legenden, Wiener SB. 113 (1883), 917994.115 (1885), 592. 119 (1889), IX. Abt.; KarlBenrath, Zur Gesch. der Marienverehrung,Theol. Stud. u. Kritiken 59, 194. 197267;Wechssler, Kulturproblem des MinnesangsS. 299 ff. 434 ff.

4 ) Festum conceptionis Beatae VirginisMariae immaculatae, aber auch Festum im-rnaculatae conceptionis B. V. M., deutsch kurzMaria Empfängnis", am 8. Dez.