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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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B. Weltliche Literatur, b) Das Spielmannsepos.

Berufungen auf daz {diu) baoch, daz liet. 1 ) Zu dramatischer Lebendigkeitaber steigert sich die Sprache in den Kampfschilderungen. Diese Technik,in der Volkspoesie ausgebildet, war längst Gemeingut auch der geistlichenDichter geworden und der Pfaffe Konrad hatte ja schon in den zahlreichenKämpfen des R.liedes häufig Gelegenheit, sie in Anwendung zu bringen.Anklänge an andere frühmhd. Dichtungen finden sich zerstreut und be-zeugen ihrerseits ebenfalls Kenntnis der einschlägigen Literatur.' 2 ) Gegendie äußere Form ist der Verfasser gleichgültig, auch auf die Metrik 3 ) hat erkeine Sorgfalt verwendet, so wenig als auf den Stil. Im Bau der Verse, diesich zwischen Kürze und Überlänge bewegen, und im Reimgebrauch herrschtgroße Freiheit. Reimnot veranlaßt oftmalige Wiederholung gleicher Verse. 4 )

Der Verfasser hat mit seiner Chronik die Anschauungen der Zeit gut ge-troffen. Wie eifrig sie gelesen wurde, das beweist die große Anzahl von Hss.;rasch wurde sie in Baiern und Österreich, dann in Mittel- und Niederdeutsch-land, nicht aber in Alemannien, verbreitet. Ritterliche Dichter schöpftenaus ihr historische Kenntnisse, Heinrich v. Veldeke, der Verfasser des Moritzv. Craon, Meister Otte. Das Buch behielt seine Bedeutung und seinen Reizauch in veränderten Kulturverhältnissen, nach einem Jahrhundert wurde esihnen nur äußerlich angepaßt in der jüngeren und jüngsten Bearbeitung;es wurde vorbildlich für die umfangreichen Weltchroniken des Jansen Enikel(nach 1277) und Heinrichs v. München (um 1350) und von beiden starkbenutzt, die Sächsische Weltchronik entnahm der Kehr, fabulöse Züge undim 14. Jh. entstand eine Mischredaktion aus der Kehr, und der sächsischenChronik. Noch im 14. Jh. wurde die Kehr, in Prosa übertragen {Baoch derkilnege nlwwer e) und noch von Chronikschreibern des 15. u. 16. Jhs.wurden gewisse Teile weiter überliefert. 5 )

Der Verfasser der Kaiserchronik ist dem Bedürfnis und den Bildungs-anforderungen der Zeit gerecht geworden. Ein schöpferischer Geist war ernicht, dem Stoff steht er unselbständig gegenüber und in der Formgebungist er abhängig von dem allgemein gültigen Typus, aber er war ein ge-schickter Sammler und Ordner und ein nicht ungewandter Erzähler.

b) Das Spielmannsepos.

Literatur über die Spielleute s. Bd. I, 6269. 6971. 8995. 128131 u. Reg. unterSpielmann ff., dazu (bes. für die mhd. Zeit): .Lachmann, Kl. Sehr. S. 468 ff.; UhlandsSchriften 1, 271279; Wilmanns, Walther 1. Aufl. S. 3 ff. 3235. 39-42 u. Anm., 2. Aufl.von Michels S. 14. 1618. 6367 u. Anm.; Burdach, Reinmar, Reg. S. 231 (Fahrende);

') Massmann 3, 380387; Debo S. 1517. 25 f. 27.

2 ) Schröder, Einl. S. 5658; Parallelenaus dem Annol., dem Lob Salomons, ArnoldsSiebenzahl, dem himml. Jerusalem, dem heil.Veit kommen auch im R.lied vor, was eben-falls für die Einpersönlichkeit der beidenDichter spricht, s. Schröder ebda; Kraus,D. Ged., Reg. S. 273; Kelle S. 105. 306 f.

3 ) W. Grimm, ZGdR., Kl. Sehr. 4, Reg. S. 332;Scherer, QF. 7, 3038; Debo S. 814. 17.31 f.; Schröder, Einl. S. 5.38.43.58.75, Gott.Nachr. 1918, 426 f.; Vogt, ZfdPh. 26, 559 f.Zur Metrik der Crescentia s. oben S. 273.

*) Debo S. 15 ff.

6 )Fortleben der Kehr.": Massmann 3,244261; Verbreitung und Nachwirkung:Schröder, Einl. S. 73-78.