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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
Entstehung
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340 B. Weltliche Literatur, b) Das Spielmannsepos.

Beide Sagen haben mit dem Inhalt des deutschen Gedichtes nichtsgemein. Dagegen läßt sich dessen Stoff bis in Einzelheiten hinein mit demspätgriechischen Roman Apollo nius vonTyrus 1 ) und seiner altfranz. Nach-ahmung, dem Jourdain de Blaivies, vergleichen. Der deusche Spielmannhat also eine franz. Fassung des Apollonius gekannt und dieser seine Er-zählung nachgebildet. Gewiß hat es eine deutsche Orendelsage gegeben,nur läßt sie sich nicht aus der Vergleichung mit den ganz unverwandtenSagen der Edda und Saxos wiederherstellen. Um die ursprüngliche deutscheSage zu erschließen, muß man nach einer Form suchen, die in der deutschenLiteratur beglaubigt und mit dem Apolloniusstoff soweit verwandt ist, daßsich die Entstehung des Orendel-Apolloniusromans aus ihr erklären läßt.Die Grundzüge dieser deutschen Orendelsage lauteten: a) Ein Königssohn(Orehdel) zieht aus und gerät in niedere Knechtschaft (Ise). b) Er erhältein unverwundbar machendes Gewand (der graue Rock), c) Er verläßtseinen Meister und erringt durch Heldentaten (ürendels Kämpfe) eine Königs-tochter und ein Reich (das heilige Grab). 2 ) Dieses Schema ist der Kernin einem weitverbreiteten Typus ein junger Mensch niederer Herkunft,oder auch einer von edler Geburt, der aber in niedere Verhältnisse kommt,macht sein Glück, zu dem das bekannte Märchen vom Eisenhans (auchGoldenermärchen genannt) 3 ) und auch die Geschichte von Sigfrids Jugendgehören. Letztere besteht aus folgenden Motiven: a) Sigfrid, ein Königssohn,zieht aus und gerät in die Dienste eines Schmiedes, b) Er verläßt ihn underlangt eine unverwundbar machende Hülle (die Hornhaut), c) Er erringt durchHeldenmut einen Schatz und ein walkürisches Weib. 4 ) Eine derartige Orendel-sage mag dem Dichter mit im Bewußtsein vorgeschwebt haben. Ihr entlehnteer den Namen des Helden. 5 )

Bei der Beurteilung der Entstehungsgeschichte des mhd. Orendel-gedichtes ist auszugehen von der Absicht seines Verfassers und von derAufgabe, die er sich stellte: er beginnt die Erzählung mit der Bezeichnungdes Inhalts: Nun wil ich . . . von dem heiligen gräwen rocke singen 19f.,

') Im deutschen Orendel entsprechendem im Apollonius), Wiedervereinigung nachApolloniusroman:Schiffbruch,Aufnahmebeim , vielen Abenteuern.

Fischer, Knechtsdienste (in verwandten Fas-sungen des griech. Romans), Mantelkauf (imApollonius Teilung des Rockes), Gang zurStadt, Auszeichnung durch hervorragendeTaten (Turnier, Kämpfe; im Apollonius bestehtdie Leistung in einem Ballspiel, im Jourdainin einem Schirmgefecht), Besiegung derFreier (Merzian und Sudan), Sendung desBoten (Schiltwin), Gewinnung der Gattin,Ausstattung mit Gewändern bezw. Rüstung,Verleugnung (Verschweigung) des Namens,Belohnung des Fischers durch Geld undStandeserhöhung, Rückreise zum Schutz desVaters, Trennung der Gatten, wobei stärkereAbweichungen .vorn Apolloniusthema (ent-spricht teilweise den Schicksalen der Tochter

2 ) Diese Grundform geht bis zur Erringungder Braut, also bis ca. 1798.

3 ) Siehe Laistner, Panzer, Beneze Anm. 1dervorigenSeite.DascharakteristischeMerk-mal der Eisenhans-Goldener-Gruppe bestehtin dem schützenden Dämon. Im Spielmanns-gedicht vertritt diese Stelle der Fischer Ise.

4 ) Diese Vorgeschichte Srgfrids ist erstnachträglich durch Zusammenfassung ur-sprünglich verschiedener Lieder zu einer ein-heitlichen Erzählung geworden, s. LG. II, 2.

5 ) Von Bedeutung für die Ausführung desStoffes war die hier vorausgesetzte Orendel-sage nicht, sie hat keine Leitzüge geliefert,die nicht auch der Apollonius bezw. derJourdain enthalten hätte.