VORWORT
Die für das Handbuch des deutschen Unterrichts bestimmte Geschichteder deutschen Literatur bis zum Ausgang des Mittelalters (die alt-deutsche Literatur) ist auf vier Bände berechnet. Der erste, 1918 erschieneneBand (= Erster Teil), enthält die althochdeutsche, der hier vorliegende zweitedie frühmittelhochdeutsche Zeit; die mittelhochdeutsche Blüte- und Spätzeitsollen als dritter und vierter Band folgen (Bd. II. III. IV = Zweiter Teil).
Die Geschichte der altdeutschen Literatur, wie sie hier geplant ist, nimmtalle in deutscher Sprache überlieferten Werke des althochdeutschen undmittelhochdeutschen Zeitraums auf. Sie ist aufgefaßt als „eine Geschichtedes deutschen Schrifttums" 1 ) oder auch als „ein Stück Entwicklungs-geschichte des geistigen Lebens" des deutschen Volkes. 2 ) Sie fällt nichtmit dem Gebiet der altdeutschen Dichtkunst zusammen,' sondern hat einenviel weiteren Umfang und betrifft verschiedenartige Wissenskreise.
Die leitenden Grundsätze sind im Vorwort zum I. Band angedeutet, siesollen hier in ein System gefaßt werden.
Unter fünf Gesichtspunkten (Einstellungen) kann der Literarhistorikerseinen Stoff betrachten und danach seine Aufgabe einrichten. Aber jededieser Forschungsweisen beleuchtet nur einen Teil des beobachteten Gegen-standes, zu einer allseitigen Erkenntnis kann nur ihre Vereinigung führen.Sie müssen also alle zusammen zur Erklärung angewendet werden. 3 )
>) Rich. Heinzel, Kleine Schriften S. 417.
2 ) Erich Schmidt, Charakteristiken I,2. Aufl., S. 466.
3 ) Ueber Wesen und Methodik der Literatur-geschichte vgl. Wilhelm Dilthey, ' DasSchaffen des Dichters, Bausteine zu einerPoetik, Philosoph. Aufsätze, Eduard Zellergewidmet, 1887, S. 303—482, Das Wesen derPhilosophie, Kultur d. Gegenwart Teil 1 Abt. VI,1907, S. 1—71, Das Erlebnis u. die Dichtung,1. Aufl. 1905,7. Aufl. 1921; Erich Rothacker,Einleitung in die Geisteswissenschaften, 1920(für den Germanisten bes. S. 190 ff.). — ErichSchmidt, Wege u. Ziele der deutschen Litera-turgesch., 1880, Charakteristiken I, 2. Aufl.S. 455—472; Bernh. ten Brink, Ueber dieAufgabe der Literaturgesch., 1891; W. Wetz,Ueber Literaturgesch., 1891; Hugo Falken-heim, Kuno Fischer u. d. litterarhistor. Methode,1892; Ernst Elster, Die Aufgaben derLi'tteraturgesch., 1894; Elster, Prinzipiender Litteraturwissensch., 2 Bde., 1897. 1911;Gust. Roethe, Anz. f. deutsches Altert. 24(1898), 225—242; Otto Behaghel, Bewußtes
u. Unbewußtes im dichterischen Schaffen,1906; Rud. Unger, Philosoph. Probleme inder neueren Literaturwissensch., 1908; ErichSchmidt, Die litterar. Persönlichkeit, 1909,Reden zur Litt. -u.Univers.gesch., 191 l.S.l—20;Elster, Ueber d. Betrieb der deutschen Philo-logie an unseren Universitäten, Neue Jahrb.XXIV (1909), 540—548; Oskar F. Walzel,Analytischeu.synthetische Literaturforschung,Germ.-rom. Monatsschr. II (1910), 257—274.321—341 (s. auch Walzel, Die künstl. Formdes Dichtwerks, Deutsche Abende III, 1919,S. 38 f.); Rich. M. Meyer, Alte u. neueLiteraturgesch., Germ.-rom. Monatsschr. II,342—347; Eduard Wechssler, Ueber dieBeziehungen von Weltanschauung u. Kunst-schaffen, Marburger Beitr. z. roman. Philol. IX,1911; R. Buchwald, Praktische Grundlagenu. Ziele der Lit.wissensch., Studien z. Lit.-Gesch. für A. Köster, 1912, S. 248ff.; Buch-wald, Die Weltanschauung im Kunstwerk,Germ.-rom. Monatsschr. V (1913), 417—425;Levin L. SchUcking, Literaturgesch. u. Ge-schmacksgesch., ebenda S. 561—577; Jul.