§ 83. Orendel.
339
nimmt ihn als Knecht an. Im Bauche eines Walfisches findet er den grauen Rock. In diesemGewände, wonach er selbst fortan 'der graue Rock' genannt wird, zieht er mit Urlaub vomFischer zum heiligen Grab.
III. Orendel erlangt Bride zur Frau und damit die Herrschaft über dasheilige Grab 814—3201. Ise wird zum Herzog erhoben. Kämpfe mit Heiden. Rückkehrmit Bride nach Trier. Das heilige Grab fällt in die Hände der Heiden. Sie ziehen insheilige Land zurück.
IV. Wiedergewinnung des heiligen Grabes 3202—3863. Erste Gefangenschaftder Bride, sie wird von Or. und Ise mit Hilfe des Pförtners Achille befreit 3202—3763.Zweite Gefangenschaft der Bride, sie wird von einem ihrer Diener befreit. Or. erobert dasheilige Grab wieder.
V. Schluß 3864—3891. Or., Bride, Ise und Achille gehen ins Kloster.Ursprung des Stoffes. Der Name Örentil, Örendil, Örandil (aus
Örwendit), 8. Jh. auch Aurendil, ist in früheren ahd., bair. u. fränk., Urkundenvom 8. bis 11. Jh. nicht selten, auch langobard. belegt: Auriwandalus; ags.als Appellativum earendel, jubar, Morgenstern; an. Orvandill, nach demein Sternbild die Bezeichnung Orvandils tä, Orendels Zehe, trug. Or. mußdemnach, da nach ihm ein glänzender Stern benannt wurde, bei den germ.Stämmen ein berühmter Heros gewesen sein.
Die Erklärung für diese Benennung gibt ein an. Märchen in der pro-saischen Edda, Skäldskaparmäl Kap. 17: Thor hat Orv. aus der Eis weitder Riesen in einem Korbe heimwärts getragen. Eine aus dem Korbe heraus-ragende erfrorene Zehe des Orv. warf er an den Himmel und schuf darausdas betr. Sternbild. 1 ) Ein Bericht des Saxo Grammaticus von Horwendillus,dem Vater des Amlethus (Hamlet), ist davon ganz verschieden und hat nurgeringen Sagengehalt.
') Die erste wissenschaftliche Begründungder Orendelsage hat Müllenhoff (aaO., vgl.auch Uhlands Schriften 6, 29 ff.) gegeben:der Kern ist nach ihm ein Jahreszeitmythus:Orvandill kehrt aus der Eiswelt, dem Winter,zurück zu Groa (zu dem Verbum gröa grünen,Wachstum), das ist die junge, grünende Saat,der sprossende Frühling: Orendel wäre alsodemnach ein Licht- oder Frühlingswesen.MÜLLENHOFF bringt den Jahreszeitmythus inVerbindung mit der weitverbreiteten Heim-kehrsage und demnach mit dem Odysseus-mythus; Vogt, ZfdPh. 22, 475. 23, 496 f. 26,415, weist Zusammenhang mit der Heimkehr-sage ab, desgl. Symons, Pauls Grundr. 2 2 ,732 f. Der Apolloniusroman, Quelle fürden Orendel: Berger S. XC; Symons aaO.;E. H. Meyer, ZfdA. 37, 321 ff.; Burdach,Verhandl. d. 44. Philol.-Vers. in Dresden1897 S.28-31; Tardel aaO.; Singer, Apoll,v. Tyrus, Halle 1895, S. 3—15, dazu E. H.Meyer, Anz. 23, 197 f., Golther, ZfdPh. 29,547 f. (s. auch Singer, Aufsätze u. Vortr.S. 79—103 u. Anz. 24, 372 f.); Baesecke,Münch. Osw., Reg. S. 439; Schneider, Wolf-dietr., Reg. S. 408; Burdach, Berl. Ak. 1918S. 1016; v. Unwerth, Beitr. 38, 280—313.
Laistner aaO. u.Panzer, Hilde-Gudr. S.250ff.,bes. S. 264 f. Anm., s. auch Reg. S. 449 u.Panzer, Beowulf passim, gehen auf dieMärchengruppe vom Eisenhans bezw. vomGoldener zurück, (Grimms Märchen Nr. 136),auf dem auch der Apollonius beruhe, vgl.auch Beneze an versch. Stellen, Heusler,Hoops Real-Lex. 3, 373 f. Heinzel nimmteine Sonderstellung ein, indem er in demOrendelstoff eine Uebertragung der Legendevon der Kreuzerfindung der heil. Helenasieht (vgl. auch Anz. 9, 256). —Zur mytholog.Bedeutung Orendels s. auch J. Grimm, Mythol. 4S.310—312.603, Bd.3,211 f.;SiMROCK,Mythol. (Reg. S.632; Wilh. Müller, Mythol., Reg. S.259,ders., Zur Mythol. d.griech.u.deutschenHelden-sage S. 147—177; E. H. Meyer, Germ. Mythol.,Reg. S. 336; Symons, Pauls Grundr. 2\ Reg.S. 135; Golther, Mythol. S. 269 f. — Ueberden Namen vgl. J. Grimm, Mythol. 4 S.310ff.;Müllenhoff aaO.; Beer S. 21. 23; BergerS. LXXXV. XCIV; W. Müller, Zur Mythol.usw. S. 160 ff.; Laistner S. 123. 133 f.;Heinzel S. 14f.; Singer, Apollonius S. 3 f.;Kluge, Urgermanisch, Pauls Grundr. I 3 ,230; Much, Wörter u. Sachen 4, 169—173;Kluge, Etym. Wb. unter Ostern; Heusler aaO.
22*