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B. Weltliche Literatur, b) Das Spielmannsepos.
ZfdA. 38, 113—135; Emil Beneze, Or., Wilh. v. Orense und Robert d. Teufel, Halle 1897;s. auch Panzer, Hilde-Gudr., Reg. S. 450, Baesecke, Münch. Oswald, Reg. S. 442, Schneider,Wolfdietr., Reg. S. 415, Thien, Übereinstimmende Motive.
Hss. 1 ) H Straßburger Hs., vom J. 1477, ehemals Johanniterbibl. (Stadtbibl.), 1870 mitdieser verbrannt. Der Dialekt ist unterelsässisch. Es fehlen Verse.
D Druck, Augsburg 1512 bei Hanns Froschauer, mit 32 Holzschnitten. Erhalten sindzwei Exemplare, in den Bibliotheken zu München und Berlin. Der Dialekt iet Augsburgisch.D hat einen besseren Text als H. Beide, H und D, streben nach Qlättung der Reime.H ändert viel häufiger als D.
P Prosa, wie D im Jahr 1512 in Augsburg gedruckt bei Hanns Othmar, mit 6 Holz-schnitten. Der Dialekt ist Augsburgisch.
D und P sind aus Anlaß der Auffindung des heiligen Rockes zu Trier abgefaßt. P istProsaauflösung eines Gedichtes, wie die durchschimmernden Reime erkennen lassen. 2 )
H und D hatten eine gemeinsame, ebenfalls mit Bildern geschmückte Quelle (U), dieschon vielfach verderbt war. H D (= U) stehen gegenseitig in engerer Beziehung gegen-über der Prosa P, deren Quelle einen echteren Text hatte als U, so daß auch P Wert fürdie Kritik besitzt. Bei der äußerst mangelhaften Überlieferung kann das Original des Ge-dichtes (O) nicht erreicht werden, Aufgabe der Textkritik 3 ) konnte nur sein, unter Zugrunde-legung von D und Beiziehung von H deren gemeinsame Vorlage U herzustellen, wobei Pzuweilen Ausblicke auf das Originalgedicht O gestattete. Die Fassung U muß schon stärkereWandlungen durchgemacht haben, denn es stehen ältere und jüngere sprachliche undstilistische Formen nebeneinander; auch die zahlreichen Textstörüngen und Verwirrungendeuten darauf hin. 4 )
Das ursprüngliche Gedicht (O) wird gegen Ende des 12. Jhs. entstandensein, nach 1190, und zwar wohl in Trier, wohin das Interesse an demheiligen Rock weist. Die Sprache paßt zu dieser Ortsbestimmung, sie istmittelfränkisch. 5 )
Inhalt. 6 ) Einleitung 1—18 Gebet zu Christus. 7 )
I. Vorgeschichte des heiligen Rocks 19—154: Maria hat ihn gesponnen, Helenagewebt, Christus hat ihn getragen während der 40tägigen Fasten und bei seinem Marter-tode. Ein alter Jude erhält ihn von Herodes. Da er die Blutflecken nicht herauswaschenkann, versenkt er ihn in einem steinernen Sarg ins Meer. Ein Siren erbricht den Sarg undvergräbt den Rock 9 Klafter tief im Sande. Im neunten Jahre kommt der Rock wieder andie Oberfläche der Erde. Da findet ihn der Pilger Traugemund, er kann die Blutfleckennicht tilgen, erkennt ihn als den Rock des Heim und wirft ihn wieder ins Meer. Ein Wal-fisch verschlingt ihn.
II. Orendels Ausfahrt, Schiffbruch und Knechtschaft bei dem Fischer Ise155—813. Or. ist Sohn des Königs Oügel von Trier. Sein Vater rät ihm, Bride, die Königinvon Jerusalem und vom heiligen Grab, zur Frau zu nehmen. Er fährt dahin mit 72 Schiffen.Sie werden vom Sturm überfallen, nur Or. rettet sich nackt auf eine Insel. Der Fischer Ise
') Wackernagel in Hoffmanns Fundgr. 1,213—215; Harkensee aaO. S. 1—30; BergerS. III—XXXVIII.
2 ) Ein kurzer Bericht ist in der prosaischenVorrede des Heldenbuches des 15. Jhs. untereigenen Zutaten des Verfassers aus demdeutschen Gedichte ausgezogen, v. D. Hagen,Heldenbuch S. CXI.
3 ) Nach diesen Grundsätzen hat Bergerseine Ausgabe bearbeitet.
4 ) Vogt, ZfdPh. 22, 487.
5 ) Heimat (Sprache) und Abfassungszeit:
Berger S.T— XXXVIII. L—LXII; HarkenseeS. 58—79; Vogt, Salman S. CVI ff., ZfdPh.22, 476 ff.; E.H.Meyer, ZfdA. 12 aaO. u.ebda 37, 341 ff. 354. — Veranlassung zur Ab-fassung des ursprüngl. Gedichtes gab dieUeberführung des heil. Rockes aus dem Ni-kolausaltar im Dom zu Trier nach dem Haupt-altar 1196.
6 ) Vgl. Heinzel S. 2—10.
') Die ersten Verse 1—4 sind Nachahmungvon Salm. u. Mor. 1—10, doch ins Religiöseumgedeutet.