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B. Weltliche Literatur, b) Das Spielmannsepos.
mann, um in Gebeten und religiösen Wendungen die Gottergebenheit derChristen, voran seines Helden, zur Geltung zu bringen. Die größte Wirkungaber erreicht er durch den Reiz des Wunderbaren, in die Umgebung desAlltags greift der Märchenzauber ein und das Wunder göttlicher Gnade.Denn dieses Christentum ist primitiver Volks- und Wunderglaube. Wie imMärchen der Ruf an die gütige Fee oder den schützenden Geist die Er-füllung des Wunsches herbeizaubert, so erfolgt hier auf das Gebet auchsofort die Erfüllung durch die Gnade Gottes: der Einsiedel betet, im Augen-blick bringt ein Fisch den ins Meer entfallenen Ring 1255 ff.; Osw. undsein Heer beten in ihrer Not zum Fürsten des Himmels, sofort steht einEngel in Bereitschaft 1752 ff.; der Rabe sitzt unerreichbar auf dem Turme,beim Gedanken an die Gnade Gottes kommt er auch schon herabgeflogen372 ff., u. a. Das seltsamste Wunder ist eben der Rabe selbst, die Lieblings-figur des Dichters, ja auf lange Strecken hin der Held der Geschichte, derLockvogel des abenteuerlustigen Publikums. Er ist selbst eine MärchengestaU,er stammt aus dem Reich der sprechenden und der dem Menschen hilf-reichen Tiere. Und doch ist dieses Geschöpf der Phantasie ganz der Wirk-lichkeit angepaßt. Er trägt die ausgesprochenen Züge eines Spielmanns, inihm hat der Dichter seinen eigenen Stand abgebildet, schmeichelnd, zugleichmit ungewollter Ironie: als Königsbote hat er die erforderliche Schlauheitfür sein Amt, er ist listlc 738. 909. 921. 2010; er kennt alle Sprachen389; er kann sich fein höfisch benehmen 827—842, er kann auch grobsein 849—856. Er ist als fahrender Mann aufs Materielle aus, aufs Essenund Trinken 1 ) 686—702. 815 ff. 863—875. 1077—1085. 1345. 1834—1857.1960—1967; .er ist eitel und anspruchsvoll 430 ff., ehrgeizig und empfind-lich 1794 ff. 1826 ff. 1973 ff., eifersüchtig auf Nebenbuhler 1816 ff. Er isteine gewichtige Persönlichkeit bei Hofe, denn ohne ihn kann das Unter-nehmen seines Herrn nicht gelingen, er ist der eigentliche Leiter seiner Ge-schichte 1176. 1404. 1815. 1828. 2745. Natürlich ist auch er ein frommerChrist 602. 825 f.
In alter Volksvorstellung lebt das Bild von dem Botschaft überbringendenVogel. 2 ) In einer schwedischen und zwei dänischen Balladen sendet einegefangene junge Frau einen am Turme vorbeifliegenden Raben zu denIhrigen, die sie auf diese Kunde hin befreien. 3 ) Mit der Oswaldsage näherverwandt sind das schottische und das deutsche Volkslied. 4 ) Düster ist inder nordischen Ballade die Stimmung, aus der Todesnot der gefangenen
*) Auch im deutschen u. im schwedischenVolkslied wird dem Vogel Bier und Weingereicht.
2 ) Der Vogel als Bote zu der heidnischenPrinzessin von Saba, ihre Bekehrung undHeirat mit Salomo s. Singer aaO.
3 ) Uhland, Abhandlung zu den Volks-liedern, Schriften 3,100. 109—120. 170—173;
Anmerkungen ebda 4,22 f. — Eine sprechendeDohle als Bote: Ruodlieb XI, 71 ff. (Seiler);vgl. Ganzenmüller, Das Naturgefühl imMA.S. 154 f.; Wallner, ZfdA. 40, 290ff. 50,206ff.4 ) Uhland, Volkslieder Nr. 16 u. Anm. Imdeutschen Lied und im ersten Teil desschottischen ist die Form der Werbungs-ballade erhalten.