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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 82. Sanct Oswald. 333

bestellten Mahlzeiten und von gleißendem Schmuck, vom täglichen Lebenund vom Hofe, von hochfahrenden Hofbeamten, den hofeschälken, die denkleinen Mann und ihn, den Fahrenden, schikanieren, von einfachen Leuten,vomedeln" Pilger, der so ehrenvoll vom König behandelt wird, von Dienern,Torwärtern, Schiffsknechten, Goldschmieden. An Überlistungen und täu-schenden Verkleidungen hat diese Gesellschaft ihre Freude, an Scherzenwie der Durchprügelung der Hofdiener, der buoben und schintvezzel, durchOswald 3308; oder wenn die Königstochter ihrem Vater mit einem Spiel-mann durchzugehen droht, falls er ihren Willen nicht erfüllt 1045 ff.; wenn ihreMutter, die Heidenkönigin, ihren Gatten lachend empfängt mit der Kunde,die Tochter sei mit den Goldschmieden ausgerissen 2671 ff.; wenn diePrinzessin Kopfweh vorschützt, um sich heimlich entfernen zu können 2492 ff.In naiver Auffassung stellt sich das Volk den Verkehr am Hofe so vor, wiees ihn in seinen eigenen Lebensformen gewohnt ist.

Die äußeren Vorgänge werden mit dem Innenleben verknüpft, dasGeschehende wird, gemäß der ausführlichen Erzählungsart des Gedichtes, gernin seinem ganzen Verlauf vorgeführt, oft wird zuvor, ehe es zur Handlungkommt, die in Gedanken gepflogene Überlegung des zur EntscheidungGedrängten verwertet und bei neu eintretenden Ereignissen wird häufig einkurzer Blick in die Seele der Menschen geworfen, in ihre Stimmung, obFreud oder Leid. Aber diese meist nur stilisierenden Bestandteile verleihendem Gefühlsleben keinen tieferen Gehalt, dieses wird völlig ausgefüllt vomreligiösen Empfinden.

Der Weltsinn ist nicht ausgeschaltet, im Gegenteil, Machtfülle ist auchdie Grundbedingung für den christlichen Herrscher, und der Reichsgewaltdes riehen und muten Osw. unterstehn viele Könige, Herzoge, Grafen undFürsten. In höheren gesellschaftlichen Formen bewegt sich das Leben, feineSitte wird beobachtet, glänzend ist der Hoftag und die Festtafel, dazudie Landesherren berufen werden 718. 9198, ehrenvoll wird der Pilgerin das fürstliche" Privatgemach geführt 210, mit feinsten Manieren stelltsich der Rabe als königlicher Gesandter den heidnischen Herrschaften vor.Doch- erreicht das gesittete Benehmen nicht die Höfischheit im Sinne derfranzösischen courtoisie. Das Minnewesen spielt gar keine Rolle in einemVerhältnis, wo Mann und Frau sich zur Ausbreitung des christlichen Glaubensverbinden 67 f. Das eigentliche Ritterideal aber, das Heldentum, findeteine Stelle auch in dieser Heiligenlegende, und der Dichter entwirft in demherkömmlichen Schlachtenstil ein kräftiges Bild von Osw.s Kampf mit denHeiden 2835-2938.

Die Spielmannslegende ist eine Mischung von Scherz und Ernst, vonWeltgenuß und Frömmigkeit, sie will nicht nur ergötzen, sondern auch Morallehren, den Glauben stärken. Die Fabel, der Erzählungsstoff, ist die Grund-lage für die Idee, den religiösen Gehalt, der das Ganze mit einem tieferenGemütsleben erfüllt. Jede Gelegenheit benutzt der glaubenseifrige Spiel-