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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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332 B. Weltliche Literatur, b) Das Spielmannsepos.

Die drei Fassungen.

I. Der Münchener Oswald (MS).

Inhalt. A. Die Werbung 11424. Osw. bittet Gott um Rat zu einer Frau, ein Engelempfiehlt ihm, eine heidnische Prinzessin zu nehmen. Seine Landesherren wissen keine,der Pilger Warmunt verweist ihn an Pamige, die heimlich dem Christenglauben hold ist; aberihr Vater Aron schlägt jedem Freier den Kopf ab. Auf Rat des Pilgers sendet Osw. einen mitmenschlicher Stimme begabten Raben als Boten. Unterwegs von wilden Meerweibern ge-fangen, entfliegt er durch List. Aron läßt ihn in den Kerker werfen; von der Prinzessinlosgebeten, richtet er ihr seine Botschaft aus. Sie nimmt den Antrag an. Auf der Rück-kehr wieder ein Hindernis: der Ring entfällt ihm ins Meer, wird ihm auf eines EinsiedlersGebet durch einen Fisch wieder erstattet. B. Die Entführung 14253209. Osw. ziehtmit Heer übers Meer. Er und 12 Gefährten gehen als Goldschmiede verkleidet in dieHeidenburg. Durch die List mit dem Hirschen (ein von ihnen mit Gold und Silber ge-schmückter Hirsch lockt Aron und sein Gesinde zur Jagd) gelingt es der Prinzessin zuOsw.s Schiffen zu kommen. Der Heide verfolgt die Fliehenden. In einer Schlacht auf einerInsel besiegt, läßt er sich, durch Wundertaten Osw.s bestimmt, taufen. C. Schluß. DieVersuchung durch den bettelnden Heiland 32103547. Ein Bettler heischt vondem frommen König beim Mahle Gabe auf Gabe, zuletzt sein Land und sein Weib. Allesgibt Osw. widerspruchslos hin. Da gibt sich der Bettler zu erkennen. Es ist der lebendigeGott. Er gibt ihm alles Geschenkte zurück. König und Königin führen ein keusches Leben.Nach zwei Jahren holen die himmlischen Heerscharen ihre Seelen ins Himmelreich.

Die Bearbeitung MS rührt von einem Verfasser her, denn es bestehtdurchgängig die gleiche Ausdrucksweise. 1 ) Unter den drei Fassungen hatMS die alte Oswalddichung am besten bewahrt. Zwar ist der Stoff durchneue Züge und durch die umfängliche Darstellung (vielleicht nicht un-bedeutend) erweitert, der sprachliche Text auch frei behandelt worden, aberdas ursprüngliche Bild ist nicht wesentlich verändert. 2 ) Die neu hinzu-gekommenen Sonderzüge (inhaltliche Erweiterung) sie sind geschicktin dem Bau der Vorlage eingefügt und lassen sich kaum mit völligerSicherheit ausscheiden. 3 )

Reich an Bildern und Gestalten ist diese Fassung der Osw.sage und mitberedtem Vergnügen, doch nicht ermüdend, erzählt der Spielmann vondem, was ihn und sein Publikum interessiert, von Essen und Trinken, wohl-

') Baesecke nimmt vier an der Bearbeitungvon MS beteiligte Personen an, vgl. dazuWilmanns, Ehrismann und Keim aaO.

2 ) Die Bearbeitung MS steht hinsichtlichdes Umfangs und demnach in der Breite derDarstellung auf dem Standpunkt vom Orendel,es ist also anzunehmen, daß um 1170 diesdie herrschende Erzählungsart der Spielleutegewesen ist. Dies vorausgesetzt dürfte in MSdas Original *0 (Vorlage von MS, zn, WO)nicht allzu stark erweitert sein. Uebrigensmuß diese in MS vorliegende Umarbeitungvon *0 ebenfalls einem Mittelfranken zumVerfasser gehabt haben, da die mfrk. Formendurch die 3 Hss. des Münch. Osw. durch-gehen. Erst darauf kam der bair. Bearbeiter,durch den dann wohl die sprachliche Fas-sung von *0 ein verändertes Gepräge er-halten haben mag. Es ist also zwischen *0

und MS, bezw. genauer Mz, noch eine Mittel-stufe MSi, einzusetzen, so daß die Reihe geht*0, MSj, MS 2 .

3 ) Etwaige Interpolationen werden sich amehesten unter den Motivenhäufungen finden,z. B. die in drei Bilder zerfallende nächtlicheSzene des Heiratsentschlusses 3542. 4358. 5974; die Verwirrung bei der Sendungdes Raben 362393; die Hindernisse beiseiner Hin- und Rückreise 650771. 1197-1286 (650 ff. ist das Märchenthema von denWassergeistern, die Menschen in ihr Reichziehen. Die Klage der Meerfrau ist die Klageder Verlassenen wie im Falkenlied des Küren-bergers) ; die dreimalige Friedensversicherung900932; bes. werden unter den geistlichenStellen sich etwaige Zusätze des Bearbeitersbefinden.