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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 82. Salman und Morolf. 327

salomonis?Ist es denn etwas anderes, das man von Markolf erzählt, daßer gegen die Sprüche Salomos Wettstreite? Das sind nur schöne Worteohne Wahrheit." Dieser ältere lat. Dialog hatte nicht den pöpelhaften Inhaltwie das mhd. Spruchgedicht. 1 )

Unter Salomos Namen gingen jetzt verlorene Spruchgedichte verschie-dener Art. Die älteren hatten ernstlehrhaften Inhalt, erst später kam diegroteske Parodie. 2 ) Auf diese, wahrscheinlich den lat. Marcolfus, geht derSpruch im Freidank 81, 3 ff.: Saltnön wtsheit lerte, Marolt daz verkerte;den site hänt noch hiute leider manege Hute, mit der darauffolgenden Recht-fertigung des verspotteten Weisen: Salmön hat doch war geseit, diu werltst gar ein üppekeit.

Die Quelle für das deutsche Spruchgedicht ist, nach seiner eigenen An-gabe, der lat. Salomon et Marcolfus, 3 ) der den Dialog und die Schwank-geschichten enthält und in vielen Handschriften und alten Drucken ver-breitet war.

Der älteste in einer m.alterlichen Volkssprache abgefaßte Salomo-Dialog ist der in zweiTeile zerfallende ags. Salomon and Saturnus, 4 ) ein ernstes Zwiegespräch über theo-logische und das menschliche Schicksal betreffende Fragen, das mit dem deutschen Markolfnichts zu tun hat.

Aus Frankreich sind zwei unter sich völlig verschiedene Marcolfdialoge bekannt(Ende des 12. und Anf. des 13. Jhs.), die ebenfalls mit der deutschen Fassung nicht ver-wandt sind.

In Italien ist Bertoldo, der italienische Markolf, seit dem 16. Jh. eine burlesk-volks-tümliche Gestalt geworden.

Metrik. 5 ) Das Gedicht ist in Strophen abgefaßt. Die Strophe bestehtaus 4 paarweise gereimten, vierhebigen, stumpf ausgehenden Versen; zwischendem 3. und 4. Verse steht eine reimlose Zeile (Waise) von meist 3 Hebungenund meist klingendem Ausgang. Das Schema ist also: 4a 4a 4b 3x 4b.Der Rhythmus ist sprechmetrisch. Die Senkungen sind häufig zweisilbig,auch überlange Verse sind nicht selten. Zuweilen wird dem zweiten Versein reimloser Vers (Waise) vorgeschoben, so daß dann die Strophe in zweigleiche Hälften zerfällt (ax + a bx + b). Die Anzahl der Assonanzen istsehr bedeutend, sie beträgt ca. 40 Prozent. Groß ist auch die Reimarmut.

Das Gedicht von Salman und Morolf stellt die .höchst erreichte Stufeder niederen Spielmannsepik dar. Der Vorzug dieser Gattung besteht inder Frische und Lebendigkeit der Erzählung, aber mit der Manier des flotten

') Der Papst GelasiuS würde solche niedrigeLiteratur überhaupt bei einer Aufstellung derin die Kirche aufzunehmenden Werke (deJibris recipiendis et non recipiendis) nichterwähnt haben, und Notker hätte die Sprachenicht schön genannt, vgl. Schaumberg S. 32 f.

2 ) Eine kurze Notiz über im Volke gehendeErzählungen von Marcolfus' Zwiegesprächmit Salomo enthält auch die in der zweitenHälfte des 12. Jhs. abgefaßte Chronik desWilhelm von Tyrus XIII Kap. 1.

3 ) Ausg.: Benary aaO.; v. d. Hagen S. V

XII; Schaumberg S. 110; vgl. ErnstSchaubach, Gregor Hayden's Salomon undMarcolf, Leipz. Diss. 1881.

4 ) Ausg.; Kemble 1848; Arth. v. VincentiaaO. Schaumberg S. 29 ff.; Vogt S. LIII ff.

'>) Vogt S. LXXVIIICXII; J. Grimm hatden Strophenbau erkannt, Kl. Sehr. 4, 25;Lachmann, S. u. S., Kl. Sehr. S. 476-478;Bartsch, Germ. 2, 285 f.; Scherer, D. Stud.1, 1 ff.; Wilmanns aaO. S. 298 ff.; Harken-see, Orendel S. 5355; Saran S. 294. 298.