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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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326 B. Weltliche Literatur, b) Das Spielmannsepos.

stiftet leit, Mor.: Den armen machet rieh der win, des sulde er alle zit drunken sin242245; Sal.: Du sali in guter maze slafen, darumb enmag dich niman strafen, Mor.:Mich weckent dicke die miuse mit kratzen und ouch die liuse 469472.

B 6051604. Auch in den Schwankgeschichten liegt die Orientierung in der Ver-höhnung Salomos durch den gumpelman (Possenreißer 609), der dem weisen König Streichespielt und mit Narreteidingen Belehrungen gibt. Sie sind, wahrend die Disputation auseiner Aneinanderreihung einzelner Gnomen besteht, zu einer fortlaufenden Erzählung zu-sammengefaßt. 1. G05680 Sechs schwankhafte Rätselfragen. 2. 681716 Der Schwankvom Kuhfladen. 3. 7171016 Fünf allgemeine Behauptungen, für deren Gültigkeit Morolfdem König tatsächliche Beweise vorführt, z. B. er stellt ein Gefäß mit Milch an eine finstereStelle, an der Salomo vorbeigehen muß. Das Erwartete erfüllt sich, Salomo tritt in dieMilch und Morolf beschwichtigt seinen Ärger mit der Entschuldigung:du hast gesagt,Milch sei weißer als der Tag, nun kann man aber die Wahrheit sehen, daß der Tag hellerist als die Milch." Schließlich werden die Frechheiten Morolfs dem König zu bunt under jagt ihn vom Hofe weg, aber er kehrt wieder zurück. 4. 10171084 Der kahlköpfigeRitter. 5. 10851460 Das salomonische Urteil und seine Folgen. 6. 14611560 Morolf imOfen (er foppt den König auf höchst unwürdige Weise). 7. 15611604 Morolfs letzter Be-trug. Er soll im Walde aufgehängt werden, weiß aber seine Henker solange herumzuziehen,bis sie ihn laufen lassen.

Der Ursprung 1 ) der Salomo-Dialoge liegt letzten Endes in denSalomo zugeschriebenen Büchern des alten Testamentes, denn seineWeisheit ist hier eben in Sprüchen niedergelegt. Die dialogische Formdieser Didaktik wird erwähnt bei dem Besuch der Königin von Saba,denn sie kam ihn zu versuchen in Rätseln (3. Reg. 10,1). In den talmu-dischen und sonstigen orientalischen Überlieferungen ist es ein häufig vor-kommender Zug, daß Salomo mit Dämonen gelehrte Gespräche führt. DieZahl und Benennung dieser Geister ist groß. Ein dem lat. Marcolfus ent-sprechender Name kommt in den uns erhaltenen orientalischen und griechi-schen Unterredungen nicht vor, aber es gab einen hebräischen AbgottMarcoiis, der aus dem lat. Mercurius entstanden war, und dieser Marcolis-Mercurius ist der Held des lat. Dialogs, Marcolfus, deutsch Markolf.Zur Ausbildung des humoristisch-satirischen Charakters, der den ursprüng-lichen Gesprächen Salomos mit den Geistern nicht eigen ist, haben Zügeder Aesopsage mitgewirkt: Aesops niederer Stand als Sklave, seine Häß-lichkeit, sein schlagfertiger Witz, seine Erfahrenheit in Rätseln und Schwänken,all diese Eigenschaften, die die griechische Vita Aesopi (verfaßt vor dem10. Jh.) erzählt, kommen auch dem lat. Marcolfus zu.

Ein lat. Salomo-Dialog wird am frühesten erwähnt in dem DecretumGelasii, das dem Papst Gelasius (492496) zugeschrieben wird, wo eineContradictio Salomonis unter den apokryphen Büchern aufgezählt ist,die rechtgläubige Christen nicht lesen sollten. Ein Zeugnis für die Bekannt-schaft eines lat. Marcolfus-Dialogs in Deutschland gibt Notker in seinerPsalmenübersetzung Ps. 118, 85 (Piper, Notker 2, 522, 19 ff.), wo er aufnichtige Fabeleien, die bloß ergötzliche Wortübungen sind, anspielt: Vuazist ioh and eres daz man marcholfum saget sih ellenon uuider prouerbiis>) Schaumberg S. 29 ff.; Vogt S. LH ff.