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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§81. Salman und Morolf. 325

nehmen meiner Seele wahr . . ."Salman, das mag wohl geschehen; du hastdeine Engel hehr mit dir hergeführt aus der guten Stadt Jerusalem: dassind deine Mannen, sie wollen dich nicht in Nöten lassen, sie kommen dirzu Hilfe vor dem Walde" (504-511).

II. Das Spruchgedicht von Salomon und Markolf.

Ausg.: v. D. Hagen aaO., dazu v. d. Hagen, Narrenbuch, Halle 1811, S. 498513; W.Schaumberg, Beitr. 2, 163; Walt. Benary, Salomon et Marcolfus, Samml. m.latein. TexteH. 8, Heidelberg 1914. Hans Walther, Das Streitgedicht in der lat. Lit. d. MA., BerlinerDiss. 1914, S. 20 f.

Hss.: E. Eschenburgs Hs., s. oben. Das Spruchgedicht folgt auf das Spielmannsgedicht.

D. Darmstadt, 15. Jh.

H. Heidelberg, Cod. pal. germ. 154 v. J. 1474, Bartschs Kat. Nr. 95.

B. Berlin, s. Braune, Beitr. 2, 63 (Nachtr.).

Verhältnis: E-DH, E steht dem Original näher. B ist noch nicht untersucht.

Der Dialekt ist mittelfrk. Die in den Hss. enthaltene Überlieferung istwohl im 14. Jh. entstanden.

Im Prolog (118) und im Epilog (18491874) berichtet der Dichter,daß er seinen deutschen Text aus einem lat. Buch übersetzt habe, und ent-schuldigt sich wegen der vielen unhöfischen Stellen. Das ganze Gedichtzerfällt in zwei Teile, von denen nur der 1. das Spruchgedicht enthält 201604, während der 2. 1605 1876, der Anhang, ein Auszug aus einer altenFassung des Spielmannsgedichtes ist. Das Spruchgedicht besteht wieder auszwei Teilen, dem eigentlichen Dialog oder der Disputation, 20604 (A),und der Schwanksammlung, 6051604 (B).

A 20604. Eines Tages kamen zwei Menschen an Salomos Hof, ein Mann und eineFrau, die unmäßig wunderlich mißgestaltet waren, wahre Scheusale an Häßlichkeit, derBauer Morolf und sein Weib (1964). Salomo fordert Morolf 1 ) zu einer Disputation auf.In Rede und Antwort zu meist in je 2, seltener in 4 Versen, bezw. 1 oder 2 Reimpaaren,führen die beiden miteinander ein Wechselgespräch und zwar in der Art, daß Salomo eineallgemeine Sentenz aufstellt, auf die Morolf mit einer gegenteiligen erwidert. Die ThesenSalomos sind Sprichwörter, Lehren, Erfahrungssätze, Morolf antwortet in Parodien, obszönenund zotigen Verdrehungen, durch die er Salomos Lebensweisheit ins Platte und Gemeineherunterzieht. Zwei Menschennaturen und Bildungsstufen sind in zwei Typen einandergegenübergestellt: der weise, hochgesinnte König und der plumppfiffige, ordinäre Bauer.Sie vertreten den Widerstreit zwischen formender Geistigkeit und roher Materie, zwischendem Idealismus, der die Welt glaubt nach sittlichen Grundsätzen einrichten zu können,und dem verneinenden, brutalen Naturalismus, der für dieses höhere Sireben nur Spottund Verhöhnung hat. Und das Gemeine behält die Oberhand in diesem Wettstreit mit derMorallehre. Salomo kann in diesem niedrigen Tone nicht verkehren, Morolf triumphiertund erhält den Siegerlohn, Rock und Schuhe (583604). Die Sprüche erstrecken sich un-geordnet auf die verschiedensten Lebensgebiete, einige der weniger anstößigen mögen hierals Beispiele angeführt sein: Sal.: Ein gut wip und schone, die ist ires mannes kröne,Mor.: Einen duppen (Topf) mit milch vol sal man huden vor den katzen wol 188191;Sal.: Ein gut wip sanfte gemut, die ist gut über allez gut, Mor.: Beginnet sie dich scheiden^du sali sie loben seiden 192195; Sal.: Win brenget unkuscheit, wer drunken ist, der

] ) Der richtige Name des Gegenspielersim Spruchgedicht ist Markolf, nach dem lat.Marcolfus. Die Hss. haben Morolf, nach dem

Spielmannsgedicht. Darum überschreibt dieHs.E das Spruchgedicht der ander Morolf f,v. d. Hagen S. 44.