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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 81. Salman und Morolf. 323

steigen. Den stärksten Unterhaltungsstoff bilden die volkstümlichen Szenen,aber auch das höfisch-ritterliche Element wirkt in der Darstellung desGesamtlebens mit. Unerläßlich sind in einem mhd. Epos die Kampfschil-derungen, doch dienen die Schlachten hier nicht zur Charakterisierung undHebung der Helden, Salmans und Morolfs, sie sind nicht Selbstzweck,sondern nur herkömmliche epische Motive zur Ausfüllung und Ornamentation.Der aristokratische Verkehr ist in gewöhnlicher Weise stilisiert, tugentliche,gezogenliche, schöne ist das Benehmen, feine Kleider, goldene Kostbarkeitenwerden zu dekorativer Wirkung aufgeführt. Der Verkehr mit den Frauenbesteht nicht in galanter Huldigung, doch ist diese Sitte dem Dichter nichtfremd gewesen (164166). Aber die höfischen Bestandteile beschränkensich doch fast nur auf gelegentliche Erwähnung, stark ist das Interesse fürdas vornehme Leben nicht geäußert, eingehendere Schilderungen von Ge-wändern, Waffen, Festen, Turnieren liegen schon nicht im Stil des Gedichtes.

Das innere Spiel ist bewegt, stark sind die Menschen in Haß undLiebe, leicht ist die Leidenschaft erweckt, das Gefühl wird nicht zurück-gehalten. Salman weint über den vermeintlichen Tod Morolfs, er küßt ihnvon jemerlichen freuden, als er ihn wohlbehalten vor sich stehen sieht(354360); er weint bei Morolfs Abschied (619); ferner 128, 5. 148, 2.612,1. 779, 2; 18, 4 f. (Freude); Morolf: 398, 1. 654,1 (geheuchelte Bettler-tränen); Fores Schwester 476, 4. 544, 4. Sie alle weinen aus Liebe undLeid, Salme aber weint aus Zorn und Angst (513), und heiß weinend setztsie sich vor ihrem Hofgesinde auf die Erde, aus Wut, daß Morolf entronnen(299. 300 u. Anm.). Häufig sind Äußerungen der Freude: Salman wart derrede frö (499,4), (Morolf) wart unmäzlichen frö (687,6); Also Morolf dierede vernam, er wart ein freudenricher man (488, 1)., des gewan er freuden-richen muot (289, 5), schiet er frölichen dan (659, 5), Salman lachen began 537, 1. 550,1. 720, 1 u. a. Typisch ist die Haltung des Hauptesje nach den Gefühlen der Lust und Unlust: der kunig (Fore) von zorne(Unmut) nider sack (27, 2), der kunig von freuden uf sach (30, 2). Dieinnere Kultur ist unausgeglichen. Die Empfindsamkeit bei seelischenLeiden, die Barmherzigkeit gegen die Armen sind Beweise eines weichenGemütslebens. Am rührendsten ist das Mitleid der Schwester Fores mitSalman (400482), dem unglücklichen König, als er zum Galgen geführtwird: die Jungfrau neben ihm ritt, mit ihrem bunten Mantel sie ihm denSchweiß abrieb: Du bist ein Fürst an Ehren reich, deine Farbe ist nichtverblichen, du bist den Rosen gleich (482). Daneben die Roheit einer barba-rischen Zeit in Morolfs Grausamkeit (159 ff. 179 ff. 291 ff.) und erbarmungs-losem Hohn (772. 778. 780. 781).

Das Grundmotiv der Handlung und ebenso der sittlichen Forderungenist die Untreue der Gattin. Damit ist das innere Spiel ein Widerstreitzwischen Treue und Untreue, und unter diesem ethischen Gesichtspunktgruppieren sich auch die Personen nach Gegensätzen: Salman, Morolf und

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