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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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322 B. Weltliche Literatur, b) Das Spielmannsepos.

Volksepos entsprechend, auch allgemein ehrende Bezeichnungen, edelekunlgin, ein kuniginne her, schöne frouwe, frouwe wolgetän, schöne frouwewolgeslacht, daz wunderschöne wip.

Offen und ehrlich stehen sich Christen und Heiden gegenüber. Fore willSalmans Weib haben, darum überzieht er ihn mit Krieg, rechtmäßig wirder gefangen und nun hat er nach seiner Auffassung auch das Recht, dasWeib des Feindes zu entführen: diesen Standpunkt verteidigt er in der vonSalman gegen ihn angestrengten Rechtsfrage (438448). Ein Unterschiedin der moralischen Wertung zwischen Christen und Heiden wird kaum ge-macht, Fore ist großmüiig (425. 435. 439. 441. 446. 458 f.), seine Schwesterbarmherzig, Princian menschenfreundlich (639 ff.), mutig sind sie alle. Eswird fast ganz vergessen, die Heiden als Glaubensfeinde zu betrachten, innaiver Unbefangenheit werden ihnen christliche Gebräuche zugeschrieben(die Messe 196. 201 f.; Hofkaplane 322ff. 410; der Witz des Glatzenscheerenshat nur unter Voraussetzung christlicher Verhältnisse den richtigen Sinn).Das religiöse Empfinden tritt bei den Heidenkämpfen nur einmal hervor, beider Rüstung gegen Fore (7173): Morolf stärkt die gegen die ubelen heldenausziehenden Krieger im Vertrauen auf Christus und läßt in das Bannerein goldenes Heiligenbild wirken. Hier klingt Kreuzzugsstimmung an, aberals eine Kreuzfahrt ist dieser Krieg doch nicht aufgefaßt, sonst würde dasKreuz als Bannerzeichen erwähnt sein. Das Merkmal, das Christen undHeiden trennt, ist die Taufe: Salme wird getauft 4. 34. 36, Fores Schwester433. 579592.

Wie alle Spielmannsgedichte, so hat auch der Salman einen religiösenEinschlag, aber die frommen Beziehungen sind nur gering und verleihendem geistigen Leben nicht einen besonderen Gehalt wie im Oswald undOrendel. Die die Stimmung des Gedichtes beherrschende Komik hat selbstkeine Scheu vor geistlichen Einrichtungen: die Schwester Fores ist für diePatin ein zu schwerer Täufling, und Salman braucht überhaupt aus gewissenGründen bei dem Akt nicht zuzusehen (589. 590); unehrerbietig sind dieScherze, die Morolf mit den trunken gemachten Kaplanen Fores treibt;Kirchgang (10 ff. 196 ff.) und Almosengeben (164 ff. 639 ff.) sind äußerlichwerktätige Handlungen. Konventionell, aber immerhin Ausdrücke des augen-blicklichen Empfindens, sind die Gebete Morolfs vor dem Kampf (71. 485),in Lebensgefahr (769 f.). Salman aber kommen die frommen Gedankenunmittelbar aus innerem Erlebnis: aus Trauer über den vermeintlichen Todseines getreuen Morolf und aus Schmerz über den Verlust seiner Frau willer sein Leben Gott ergeben (357), ferner 165. 395. 420. 473. 495. 500.505510. Von geistlichen Klängen ist das Gedicht umrahmt: es beginntwie ein volkstümliches Weihnachtslied und schließt mit der Huld Gottes.

Kein anderes mhd. Epos gibt ein so umfassendes Kulturbild wie derSalman, denn er bewegt sich nicht nur in den hohen, sondern auch inden niederen Gesellschaftskreisen, zu welchen sonst die Dichter nicht herab-