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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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316 B. Weltliche Literatur, b) Das Spielmannsepos.

für die Folgezeit gültige Sagengestalt in den Hauptpunkten festgelegt wurde.Aus solchen griechischen Fassungen entwickelte sich die russische (wohlursprünglich serbisch-bulgarische) und die deutsche Überlieferung. Sehrwichtig ist die russische, in Volksballaden und Prosaerzählungen erhalteneVersion. Sie hat mit dem deutschen Epos nicht nur die Gesamtanlage,sondern auch viele einzelne Stoffteile gemein; die Handlung aber verläufteinheitlich ohne Wiederholung und Häufung von Szenen.

Auch für die Entwicklung der deutschen Salomo-Entführungssage isteine in knapper Form gehaltene Ursage vorauszusetzen. Für diese ergibtsich aus dem Vergleich des Spielmannsepos mit dem russischen Liede nahezuder gleiche Grund plan, wie er oben in der Inhaltsangabe für A auf-gestellt ist, außer daß Morolfs Kundschaft wegfällt, der überhaupt in derursprünglichen Sagenform weniger hervortritt.

Diese Gestalt der ältesten deutschen und der russischen Sage, demnachim wesentlichen auch ihrer byzantinischen Grundlage, ist aus lauter be-kannten Zügen zusammengestellt. Die Salomo-Aschmedai-Sage lieferte nurdas Thema, den Kern, zur epischen Ausführung wurde die Erzählung vonder ungetreuen Gattin (die Rasosage) verwendet, die in vielen Versionenverbreitet war. 1 ) Ihr sind die meisten Einzelszenen, vor allem von der Aus-reise Salomos an, entnommen. Wenn man diese Wendung der Entführungs-sage spezieller nach dem Inhalt bezeichnen will, so muß man sie zu demKreis der Sagen von der ungetreuen Gattin rechnen. Diese ursprünglichsteSagenform hat im Deutschen eine bedeutende Verstärkung durch die Ein-führung Morolfs erfahren. Er gehört der Sage von der ungetreuen Gattinan, denn in manchen Versionen derselben steht dem gefährdeten Helden,wie Morolf dem Salman, ein Helfer zur Seite, meistens der Sohn. 2 ) Andessen Stelle ist im Deutschen Morolf getreten und damit ist die einfacheSalomosage zur erweiterten Salomo-Morolfsage geworden. Er entspricht zu-gleich einer Lieblingsfigur der deutschen Entführungsgeschichten, dem hilf-reichen Dämon. Entnommen wurde er dem Dialog Sal. u. Mark., denn schonhier war Markolf als schlauer Partner mit Salomo verbunden. 3 )

') Vogt S. LXVff. u. Beitr. 8, 313323; er ist der spottere Mark. 1373. 76 (vgl.WESELOFSKYaaO. 6,393ff.; Liebrecht, Germ. Spielmarinsged. Str. 131. 138. 142), der mit5, 5658. 11, 172 f. 25,3340. Zu Rudolf v. dem König seine Possen treibt, so daß er

Schlüsselberg s. bes. Schönbach, Wiener SB145 (1902) Nr. VI. In der lat. Erzählung desGualterus Mapes ist der betrogene Gatte ein

vom Hof verjagt wird 1425 ff. (Spielmanns-ged. Str. 134. 137); er verkehrt die WorteSalmes ins Gegenteil Str. 534536; der un-

Ritter namens Raso. flätige Witz im Ofen 1486 ff. ist ins Spiel-

2 ) Bei Gualterus Mapes, in der Erzählung j mannsged. Str. 138 ff. übernommen worden,von dem Ritter R. v. Schlüsselberg, im frz. I Natürlich muß dann die Quelle ein älteresBastars de Buillon und in der portugiesischen I Spruchgedicht als das uns erhaltene, viel-Ueberlieferung, vgl. Vogt, Beitr. 8, 313 ff. | leicht ein lat., gewesen sein; möglicherweiseAls Bruder Salomos wird Morolf erwähnt im aber stammt die possenhafte Natur des Mo-ags. Salomon und Saturnus (Vogt S. LV). ' rolf überhaupt unmittelbar aus der Volks-

3 ) Vgl. Liebrecht, Germ. 25, 40. Schon I Überlieferung, da ja Markolf eine allgemeinder Charakter und das Benehmen Morolfs j bekannte Figur war (vgl. Vogt S. CXXI).zeigt seine Abstammung aus dem Markolf,