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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
Entstehung
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Salman und Morolf. 317

Entstehung des deutschen Spielmannsepos. Die erste Stufe dieserSalomo-Morolfsage ist enthalten in dem Anhang zum Spruchgedicht (v. d.Hagen S. 62-64 V. 1605-1848). Hier ist der Stoff noch nicht durch Häu-fungen und Ausmalungen erweitert, das Thema nicht durch den zweitenTeil, Salme und Princian, fortgesponnen. 1 ) Der Anhang hat mit dem um1190 anzusetzenden kürzeren Spielmannsepos (dem Original, von dem dasuns erhaltene Gedicht X abgegangen ist) dieselbe Grundlage, der Inhaltwar nahezu der gleiche, jedoch ist auch hier das Original der Salomo-Morolfdichtung nicht rein erhalten, vielmehr sind Änderungen und Kür-zungen vorgenommen, denn es fehlen wichtige Zwischenglieder. Somit istder Motivengehalt und der Umfang der Originaldichtung auch aus dem An-hang des Spruchgedichtes nicht genau zu ersehen.

Der gedrängte Sagenstoff jener ursprünglichen Fassung von ca. 1190 wurdein dem uns erhaltenen Spielmannsgedicht (X, um 1300) zum umfangreichenEpos erweitert und gerade mit Morolf war eine für die Technik sehr dehnungs-fähige Figur gewonnen, da die listigen Streiche und Verkleidungen desSchalkes beliebig vermehrt werden konnten. Anschwellung durch Wieder-holung bezw. Häufung: von Fores Spielmann ist zweimal die Rede: Str. 109wird er angekündigt, Str. 119 erscheint er; zweimal läßt Fore Salman durchBoten Fehde ansagen 40 und 51; zweimal wählt der Dichter als Lokalfür das Auftreten der Salme den Gang zur Messe, 10 und 121 ff. (vgl.191); die Messe dauert zu lange 124 und 201; zum Zweck seines Kund-schafterganges bringt Morolf zuerst den Juden Berman, dann einen Heidenum 159 ff. und 179 ff.; die zweimalige Auskundung, zuerst durch Morolf,dann durch Salman; dreimalige Fluchtversuche Morolfs; dreimaliges Trunken-machen und Glatzenscheeren 286 ff., 311 f. und 323 ff. 2 ) Die Schlacht mitIsolt hat nur den Zweck, den Umfang zu dehnen. Schildernde Partien, Be-schreibungen von Personen (Salme), Kämpfen, Rüstungen, Kirchgängen,bringen nicht erheblichen Zuwachs.

Nicht nur einzelne Stoffteile innerhalb des abgeschlossenen Ganzenwerden wiederholt, sondern der Roman selbst ist auf zwei Teile angelegt,dessen zweiter wie im Rother nur eine Variation des ersten ist. Die alteSchablone wird mit geringen Änderungen wiederholt. Der Schwerpunkt liegtin den Verkleidungen Morolfs, die in der Ökonomie dieses Teiles den größtenRaum einnehmen (611712), wie denn Morolf fast durchaus der Trägerder Handlung ist, während Salman ganz zurücktritt. Eingeschoben ist dasMotiv von den hilfreichen Zwergen, welches sofort den günstigen Ausgang,die Besiegung Princians und die Wiedergewinnung Salmes, entscheidet. DerSchluß, die Bestrafung der Salme 775 ff., bringt erst den endgültigen

') Vielleicht war doch diese Fortsetzung gedichtes, sofort mit dem Entführer, sondern

dem Verfasser des Anhangs bekannt. Dafür , erst zu Hause umgebracht (vgl. Wilmanns,

würde der gleiche Schluß sprechen: Salme \ Anz. 278 f.)-

wird nicht, wie in der internationalen Sagen- i 2 ) Vogt S. CXX, ebda die häufigen Ver-form und in dem ersten Teil des Spielmanns- | kleidungen.