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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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Salman und Morolf.

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9, 10), es ist Alles eitel {vanitas vanitatum et omnla vanitas, Eccles. 1, 2). 1 )Gott gab ihm die höchste Weisheit, die je ein Mensch besaß (III. Reg. 4, 29).Aber ungetrübt ist auch dieses Menschenbild nicht, auch er, der weisesteauf Erden (ebda 4, 31), mußte der Menschenart seinen Tribut zahlen: erliebte viele ausländische Weiber, und da er alt war, neigten seine Weibersein Herz fremden Göttern nach (III. Reg. 11, 1.4). Doch hat diese Schwächeder Verehrung des weisen Königs im Mittelalter keinen Abbruch getan, nurNachklänge hat sie, besonders in der weltlichen Literatur, hinterlassen. AlsBeispiel für die Allgewalt der Minne zitiert ihn Veldeke:Diu Minne twance Salomöne: der was der aller wiste man, der ie geträege küneges kröneMSF. 66, 16-18; 2 ) vgl. auch Parz. 289, 16 f. Dieser weltliche Salomo nunist der Mittelpunkt unserer beiden Gedichte, des Spielmannsepos und desGesprächs. In der ritterlichen Dichtung ist er, wie in den eben zitiertenVersen Veldekes, ein Vertreter des höfischen Frauenkultes.

Salomosage. Beide Dichtungen gehen in ihrer Grundlage auf hebräischeTradition zurück. Im Andenken seines Volkes lebte Salomo in reicher Sagen-bildung fort. Das Idealbild des weisen und mächtigen Herrschers, als welchenihn das alte Testament verherrlicht, nahm in talmudischen und kabbalisti-schen Schriften und in salomonischen Apokryphen (das Testament desSalomo) Züge aus der niederen Volksvorstelfung an, aus dem Zauber- undGeisterglauben. Er besaß einen geheimniskräftigen Siegelring, vermöge dessener Gewalt hatte über die Geschöpfe der Erde und des Dämonenreiches.Sein gefährlichster Feind ist der Geisterfürst Aschmedai (Asmodaeus), derseinen Siegelring und dadurch die Macht über ihn erlangt. Von Aschmedai,der seine Gestalt angenommen, verstoßen, seines Reiches und seiner Frauenberaubt, irrt er wie ein Bettler umher, bis er nach Entlarvung und Bewäl-tigung des Aschmedai wieder in die Herrschaft eingesetzt wird. In dieserhebräischen Sage liegt der Keim für das mhd. Spielmannsgedicht: ein feind-licher König (Fore) beraubt durch einen zauberkräftigen Ring Salomo seinerFrau. Dazu kommen noch andere Ähnlichkeiten: Salomo gelangt unter dieGewalt des Aschmedai: Salman in die Gefangenschaft Fores; der Ausgangist beidemal der gleiche: Aschmedai und Fore werden überwältigt, Salomo-Salman erlangt die Herrschaft wieder. Unmittelbar an den Bericht der Bibel,daß Salomo heidnische Frauen hatte seine oberste Gattin war die Tochterdes Pharao (der Name 'Pharao' hat sich in 'Fore' erhalten), erinnert dieEinleitung des Spielmannsgedichtes (Str. 2 ff.), wonach Salman seine Fraueinem heidnischen Fürsten entführt hat. Die jüdische Sage verbreitete sichin das byzantinische Reich, 3 ) wo vermutlich unter starken Wandlungen die

') Mit dem ersten der beiden Leitsätzebeginnt Freidank, mit dem zweiten, derSalomonischen Weisheit, das alte Al.lied(s. S. 253 f.).

2 ) Vgl. MSF. Anm. zur Stelle; Behaghel,Eneide Einl. S. CLXXII ff.; Singer, Salomo-

sagen S. 182 f.; Burdach, Ackermann S. 262266, Vom MA. zur Ref. S 87 Anm. 1.

3 ) Sie wardurch die Tradition derJerusalempilger bereits seit dem 4. Jahr-hundert n. Chr. in das gesamte Abendlandverbreitet", Burdach, Ackermann S. 260 f.