314 B. Weltliche Literatur, b) Das Spielmannsepos.
einen Schlaftrunk und legt sie auf einen Haufen an die Wand, den König steckt er in dieKutte eines Kaplans, legt den König an die Wand und den Kaplan ins Bett zu Salme; demKönig scheert er eine Platte. Dann entflieht er und kehrt zu Salman zurück. — III. Sal-mans Kundschaft Str. 346—480. Mit einem Heer zieht Salman zur Burg Fores, alsPilger verkleidet wird er erkannt, von Salme mit Hohn behandelt, von Fore zum Galgenverurteilt. Fores Schwester tröstet ihn im Gefängnis. — IV. Salmans Rettung, Wieder-gewinnung der Salme Str. 481—551. Am Galgen bläst er dreimal in sein Hörn, seinHeer eilt herbei und befreit ihn, die Heiden werden besiegt, Fore gehängt. — V. AnhangStr. 552—597. Besiegung König Isolts, Fores Neffen. Rückkehr nach Jerusalem mit Salme.Fores Schwester wird getauft.
B. Salme und Princian Str. 598—783.
I.Salmes zweite Entführung durch Princian Str. 598—610. Princian, als Pilgerverkleidet, gewinnt Salmes Liebe durch einen Zauberring und entführt sie. — II. Morolfszweite Kundschaft Str. 611—712, in verschiedenen Verkleidungen (als Krüppel, Pilger,Spielmann, Metzger, Krämer). — III. Zweite Wiedergewinnung der Salme Str. 713—783. Morolf erstattet Salman Bericht, zieht dann mit Heer gegen Princian. Mit Hilfe vonZwergen gelingt es ihm, Princian gefangen zu nehmen. Dieser entflieht, wird aber dannin der Schlacht von Morolf erschlagen. Salme wird zurückgebracht. Im Bad läßt sie Morolfzur Ader, er drückt sie dabei so leise, daß ihr die Seele ausgeht. Salman nimmt ForesSchwester zur Frau.
Komposition. 1 ) Die Geschichte vom Raub und der Wiedergewinnungder Frau Salmans wird zweimal erzählt, demnach zerfällt der Grundplanin zwei Hauptteile: A Salme und Fore und B Salme und Princian, dasSystem beruht auf Wiederholung des Hauptmotivs. Aufgebaut ist jeder derbeiden Teile in drei Stufen: I. Entführung der Salme durch einen übersee-ischen Heidenkönig; II. Kundschaft Morolfs, Erspähung des Aufenthaltsortsder treulosen Königin unter mancherlei Abenteuern; III. Wiedergewinnungder Salme durch Besiegung des Heidenkönigs.
Sage. 2 ) Dem MA. war Salomo in seiner Macht und Weisheit das Idealeines irdischen Königs. Sein Name bedeutet Friede, er ist der Friedens-könig, sein Reich bedeutet das Reich Christi, seine Liebe zu Sulamith denBund Christi mit der Kirche, seine Lehre stellt das richtige Verhältnis zwischenMensch und Gott auf: Gott fürchten und die Welt verachten, Gottesfurchtist der Weisheit Anfang (principium sapientiae timor Domini Prov. 1, 7.
') Vogt S. XXXIII —XLI. | Untersuchungen zur mhd. Spielmannspoesie,
-) Zur Sage s. VOGT S. XLI—CXVIII, dazu \ Rostocker Diss. 1894 S.33—72, dazu Singer,Wilmanns aaO.; v. D. Hagens Einleitung; \ Anz. 22, 43 ff.; Panzer, Germ. Abh. Herm.
J. Grimm aaO.; J. M. Kemble, The Dialogueof Salomon and Saturnus, London 1848;Arth. v. Vincenti, Drei altenglische Dialogevon Salomon und Saturn, Münch. Diss. 1904u. Münch. Beiträge zur roman. u. engl. Philo-logie H.31: Benfey, Pantschatantra 1, 436ff.;Konr. Hofmann, Münch. SB. 101 (1872), 415—448; Ders., Amis und Amiles und Jourdainde Blaivies, 2. Aufl., Erlangen 1882, Einl.S. XL f.; Symons, Kudrun, 1. u. 2. Aufl. anverschiedenen Stellen der Einleitung: L. BEER,Der Stoff des Spielmannsgedichtes Orendel,Beitr. 13. 99 ff.; Joh. v. Antoniewicz, Anz.14, 244 ff.; Singer, Salomosagen in Deutsch-land, ZfdA. 35, 177—187; Herm. Tardel,
PAULdargebr.,S.303—332; Burdach, Archiv108 (1902), 131 f.i. Burdach, AckermannS. 260—262 (mit vielen Literaturangaben);Deutschbein, Studien zur Sagengesch. Eng-lands 1,31 ff. u.ö.; Jagic, Arch. f. slav. Phil. 1,82 ff.; Weselofsky ebda 6,393 ff. 548 ff.; Hein-zel, Anz. 9,241 ff. (s. auch Vogt S. XLI Anm.2);Franz Kampers, Das Lichtland der Seelenund der heilige Gral, Görres-Gesellschaft,2. Vereinsschrift 1916 (Salomosage u. Gral-sage, mit reichen Literaturangaben); Kampers,Mitteil. d. Schles. Gesellsch. f. Volkskunde 19(1917), 72—139; Wesselofsky, Melusine 4,269 ff.