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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 80. König Rother. 311

Vater wieder zurückzubringen. Einen solchen verdienten Mann behandeltsogar der Herrscher von Griechenland nach der prahlerischen Darstellungdes spielmännischen Autors als Seinesgleichen: mit ehrenden Wortenredet er ihn an: Genädhe here, tmtgeselle 3083. 85. Und der verbannteRecke Dietrich verneigt sich dem fahrenden Volke, als er an der Hoffeierzu Pfingsten die Festgaben austeilt 188095. Mit Selbstironie erzähltder Dichter, wie Spielleute von den Riesen mißhandelt werden; mit Genußaber die Prügelung des Kämmerers 1616 ff., denn zwischen den fahrendenLeuten und den Hofbeamten bestand begreiflicherweise ein gespanntes Ver-hältnis. Spielleute als Überbringer neuester Nachrichten 171032. 42934328 (Motivwiederholung), vgl. 25792600. Asprian wird der riesen spile-man genannt, weil er Akrobatenkunststücke macht 2169f.; damit werden dieRiesen ohne weiteres in die Klasse der Gaukler und Springer versetzt216576. Der höchste Stolz aber für den Verfasser des König Rother istes, daß sein Held gleichsam selbst zur Zunft gehört: er ist ein königlicherHarfenspieler 2526.

Der Stil. Der Rother ist ein typisches Denkmal der frühmhd. ritterlichenEpik. Auch dem sprachlichen Ausdruck 1 ) nach gehört er zu jenerhöheren Gattung, die durch das Alexanderlied, das Rolandslied, die Kaiser-chronik vertreten ist, und hebt sich durch eine ausgebildetere Technik vondem niederen, nachlässigeren Spielmannsstil des Oswald, Orendel, Salmanab. Die Ausdrucksweise steht nicht wie in jenen Dichtungen unter derHerrschaft des Formelwesens und von der Wiederholung gleicher Wen-dungen wird nur maßvoll Gebrauch gemacht. Ein zweiter sehr merklicherUnterschied zwischen diesem frühmhd. ritterlich epischen Stil und demeigentlichen Spielmannsstil besteht in der architektonischen Gliederung. Inden drei genannten Spielmannsgedichten sind die Verse paarweise geordnet,so daß je zwei oder vier oder sechs eine Einheit bilden (so können vier-und sechszeilige Strophen entstehen), der Sinneseinschnitt fällt also mit demSchluß eines Reimpaares zusammen (mhd. rime samenen). Im Rother herrschtdieses Paarungsprinzip nicht so merksam vor, hier zerteilt oft die Inhalts-grenze ein Reimpaar (Brechung des Reimpaares, mhd. rime brechen). Diesymmetrische Grundform des Spielmannstypus bedingt in sich einen Vers-parallelismus, dem weiterhin parataktischer Satzbau entspricht. Das germani-sche Stilmittel der Variation ist zwar auch im Rother bewahrt, auch herrschtdie Parataxe durchaus vor, aber doch ist gegenüber dem starren Gliederungs-prinzip der Spielmannstechnik das Formgerüste hier freier, beweglicher, Sätzeund Verse sind nicht so ausgesprochen parallel geordnet, die monotonereReihenbildung wird eher durch manchfaltigere Übergänge durchbrochen.

') Ueber Sprache u. Stil: ROckert S.LVII; ! 431 ff.; Zwierzina, ZfdA. 45, 79. 282. 335;

Edzardi, Germ. 18, 423428. 447450; j ferner die oben S. 289 f. angegebene Lite-

VoGT.Salm. u. Mor. S. CXVIII ff.; Schmedes, ! ratur. Latein. Einschiebsel s. bei Grüne-

Pieritz, Wiegand aaO.; Behaghel, Beitr. 30, | WALD S. 36.