310 B. Weltliche Literatur, b) Das Spielmannsepos.
Asprian aufbegehrt, mit Trunkenheit 987—1029: dieses Gebaren war nichtkunincliche getan 1089—91. Mehr aus Furcht denn aus Güte hatte erRother aufgenommen 961—986. 1075 f. Ferner sein Verhalten bei der Ver-prügelung der Hofbeamten 1779—94. 1811 — 13; beim Einfall Ymelots 2587—92. 2601—20; beim Siege Rothers 4520—42; sein Geiz 1119—27; seinHochmut 4549—68. 2590 f. So ist Konstantin das Abbild eines Fürsten, wieer nicht sein soll, in dieser Hinsicht ein Gegenstück zu dem gerechtenHerrscher, Rother. Aber einen menschlich sympathischen Zug hat dieserschwankende Tyrann doch, das ist die abgöttische Liebe zu seiner Tochter,vgl. 2363. 74, auch 1554—64; 3013—42. 3256-60. 3886—89. Von derhumoristischen Seite ist auch das eheliche Verhältnis zwischen Konstantinund seiner Frau aufgefaßt. Mit ihr bespricht er die wichtigsten Staatsan-gelegenheiten, die durch das Auftreten der Fremden und dann durch denEinmarsch Ymelots eine heikle Wendung genommen haben. Sie hat einenviel klareren Einblick in die Sachlage. Von vornherein war sie für dieWerbung Rothers, er aber hat durch seine Starrköpfigkeit den Reichskarrenverfahren. Wo er nicht mehr weiter kann, sucht er bei ihr Rat und dannmacht sieihm, nicht ohne Schadenfreude, berechtigte Vorwürfe 1060—91. 1172—1222. 1463—71. 1795—1813, vgl. auch 3046-3059. 4543—68. 4672—87.
Die höfisch aristokratische Literatur bewegt sich nur in den Höhen derGesellschaft, der Spielmann aber ist der Mann aus dem Volke. So geht erauch mit Vorliebe auf volkstümliche Interessen ein. Im Rother spielen weiteKreise des Volkes mit, eine Unterschicht neben der in eren hochstehendenHofaristokratie. Eigentlich gehören auch die Riesen zu diesen niederen Leuten.Es sind Typen der gemeinen Soldaten, die zu Fuß gehen und mit Stangenoder Spießen bewaffnet sind, im Gegensatz zu den berittenen, mit demSchwert ausgerüsteten Rittern.
Ein reges Volksleben entfaltet sich in einer dramatisch bewegten Szene,als der Spielmannskaufmann seinen Kram auftut, Bürger und Ritter strömenzusammen und feilschen um Schmuck und feine Stoffe und um wunder-tätige Kieselsteine 3108—3224. Pilger (Rother und seine zwei Getreuen)ziehen auf der Landstraße zur Stadt und sprechen mit einem begegnendenRitter über die jüngsten Neuigkeiten 3694—3827. Am liebsten ergeht sichdes Spielmanns Phantasie in der Vorstellung guter Belohnung. Er gehörtja zu den Gehrenden. Wer recht viel schenkt, wird am meisten gepriesen.Solches Lob ist darauf berechnet, das zuhörende Publikum zur Nachahmungzu reizen und ihm den Beutel zu öffnen. 230 Verse werden verwendet,um die unerhörte Freigebigkeit Rothers gegen die Bedürftigen, gegen Arme,Kranke, Nackte und Bettler in ihrer ganzen Großartigkeit darzustellen 1291—1522. In naiver Selbstbespiegelung schiebt sich der Spielmann 1 ) gern inden Vordergrund. List ist seine Hauptkunst. Einer seines Standes ist es,dem das große Werk gelingt, die entflohene Königstochter ihrem betrübtenJ ) Rückert S. LXVIf.; Edzardi, Germ. 18, 422 f.; Thien S. 28.