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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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B. Weltliche Literatur, b) Das Spielmannsepos.

Mann genießt durch Macht und Reichtum, Stand, hohe Stellung. Einemsolchen gebührt Ehrung, er ist aber durch diese Vorzüge auch verpflichtet,standesgemäß aufzutreten. Ehre umfaßt also die mit der Ehrenstellungverbundene aristokratische Lebensführung. Die Hofsitte verlangt, daß derFürst nach eren, standesgemäß in der von dem Hofzeremoniell vor-geschriebenen Weise auftritt, die Hofetikette bewahrt, seine Vasallen würdigbehandelt und reich ausstattet (mit eren, mit allin, grözen eren) 125. 132 f.555. 559 f. 667. 896 f. 937 f. 1279 f. 1520. 154564. 1763. 2985 f. 3058.3590. 3723. 4618. 4988. 4994. In allen diesen Fällen bezieht sich ere aufdie äußeren Lebensformen, zur sittlichen Bedeutung des Ehrgefühls, derAchtung, die einer vor sich selbst hat und von andern für sich verlangt,ist ere vertieft in der Kemenatenszene, wo die Prinzessin Rother zu sichbitten läßt:, hier muß zuerst der Ehrenpunkt überwunden, werden, Rotherkann den Schritt nur tun, wenn ihr beider Ehre nicht verletzt wird 1932.1943 f. 1961. 1997. 2004. 2042. 2189. 2314, vgl. 1534. Pflicht ist es, denFremden zu helfen, die im Unglück sind 1250, den Verwandten beizustehen3413; Ritterehre 2942,') königliche Ehre 3677, königliche Macht 4757, demKönig Ehre erbieten 4682.

Die Spielmannsdichtung hat demnach einen andern, einen weniger idealenEhrbegriff als die ritterliche Dichtung. Ere ist nicht jener hohe sittlicheTrieb, der die starke Persönlichkeit bildet, eine Kraft, die den ganzen Mannerfüllt und zu großen Taten begeistert, die Tugend des Kriegers, dem derRuhm als höchstes Ziel vorschwebt. Ere ist überhaupt nicht eine Tugend, 2 )eine die Handlungen der Personen bestimmende sittliche Eigenschaft, sieist vielmehr nur eine äußere Lebensform und gehört in das Gebiet derSitte. Mit den Beschreibungen von Kleidern, Festen, Aufzügen, Empfängenund Abschied bildet sie die höfische Umwelt, innerhalb derer sich die Personender ritterlichen Gesellschaft gezogenliche bewegen. Große Pracht wirdentfaltet bei den Aufzügen und Hoffesten. Nicht genug kann sich derDichter tun mit der Schilderung kostbarer Gewänder, glänzender Rüstungen,schöner Pferde, zierlichen Schmuckes, z. B. 150160. 221249. 386429.785801. 863875. 11051127. 1566-1615. 18201841. 1842-1879.35623585. 45854606. 49324960; das Staunen, das solch großartigesAuftreten erregt: 243-249. 250-269. 277287.386393.827831.11171127. 15231530. In Glanz und Herrlichkeit erscheint das Leben der Vor-nehmen. Derartige Schilderungen gehören zum technischen Apparat dermittelalterlichen Romane, aber in unserm Gedichte hat das Gepränge Dietrichsauch einen sachlichen Grund, indem er dadurch die Aufmerksamkeit derumworbenen Jungfrau auf sich lenkt und sie und ihre Mutter günstig für

') Die V. 2941 f. sind ein Abschiedssegenfür einen Ritter. Der Wunsch für Behütungder weltlichen Ehre gehört zu den formel-haften Bestandteilen der ritterlichenAus-fahrtssegen", vgl. MSD. I 3 , 183, 48. 188, 76.

2 ) Vgl. Ehrismann, ZfdA. 56,155ff.DerUnterschied zwischen dem spielmännischenund dem ritterlichen Ehrbegriff kann z. B.bei einer Vergleichung zwischen Rother unddem Rolandsliede beobachtet werden.