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B. Weltliche Literatur, b) Das Spielmannsepos.
blick auf die Regierung Karls des Großen 5191—5196 folgt. 1 ) Damit istRother, der die römische Krone trug, als Vorgänger Karls des Großen gleich-sam in die Chronik der deutschen Kaiser hineinversetzt. 2 )
Der Grund für diese Verbindung der Sage mit der Geschichte liegt inder Bedeutung, die der historische Gehalt in der frühmhd. Epik hat: dasAnnolied, das Alexander- und das Rolandslied, die Kaiserchronik, Oswald,Orendel und Herzog Ernst handeln von Personen und Ereignissen derGeschichte, sie werden in ihrer Grundlage als geschichtliche Vorgänge auf-gefaßt. Und so verstärkt auch die Übertragung der Heldenrollen auf baye-rische Geschlechter das geschichtliche Moment mit dem allem geschicht-lichen Leben anhaftenden Persönlichkeitswerte.
Die Verehrung der am Niederrhein gefeierten Heiligen, des sante Gilje,Aegidius, 3952, und der guten sancte Gerdrüt von Nivelle 3486 ff., 3 ) die mitder Familiengeschichte Pippins 4 ) und Karls des Großen verbunden ist, deutet,wie die Sprache des Gedichtes, auf einen mittelfränkischen Verfasser.
Der ethische Gehalt. Der innere Gehalt der Entführungsgeschichteberuht auf einem doppelten Ethos, 5 ) auf der heroisch-ritterlichen und derspielmännischen Lebensauffassung. Die beiden Gegensätze sind zusammen-gefaßt in den beiden Eigenschaften des im Mittelpunkt stehenden Helden,der Tapferkeit und der Schlauheit, und sie äußern sich in den Mitteln, dieer zur Erringung der Braut anwendet, Kampf und List. Das heroisch-ritterlicheMoment wird im ersten Teil noch verstärkt durch die Bedeutung, die derTreue in der Dienstmannensage zukommt.
Im ethischen Gehalt liegt der tiefgehendste Unterschied zwischen denbeiden Hälften A und B: im 1. Teil herrscht das ritterliche Wesen vor,er ist mehr von nationalem, germanisch-ethischen Geist getragen (die Sagevon den treuen Dienstmannen, die Beratungen des Fürsten mit den Vor-nehmen, Dietrich-Rother tritt als Recke in Konstantinopel auf). Der 2. Teilhat mehr Spielmannsart, entsprechend seinem Zusammenhang mit der starkspielmännischen Salomosage (der Spielmann als Entführer, die.Volksbilderbei dieser Entführung, Rother erscheint in der Hofburg zu Konstantinopelnicht als Krieger, sondern als Pilger, er wird zu gemeinem Galgen ver-urteilt). Der 1. Teil betrifft also höhere, der 2. niederere Lebens- bezw.Gesellschaftsformen.
*) Der Verfasser der genealogischen Stellenüber Pippin 3480—3491 und 4765—4795 hatdie ausgesprochene Absicht, einen geschicht-lichen Beitrag zu liefern und stellt das Lied,d. h. diese Abschnitte, als historische Wahr-heit andern Liedern (oder den andern Teilendes Rother?) gegenüber 3490 f. 4792—4795,er macht also einen Unterschied zwischender Auffassung eines historiografus, der einLied schreibt, das viel Tatsächliches enthält{recht), woraus ihm Glaubwürdigkeit entsteht(4794 f.); und einem poeta, dessen liet vonlugenen gedichtet ist (3490 f.), der Wahres
mit Falschem vermischt (vgl. Conradi Hirs.Dialogus ed. Schepss S. 24). Ueber die Quelle,buoch, liet, tichtere, vgl. W Grimm, DH.»S. 57; Scherer, QF. 12, 92; Rückert S. LXI—LXVI; Edzardi, Germ 18, 420 f.; v. Bah-DER.Germ. 29, 278 ff.; Wiegand S. 146f. 188;Vogt, Breslauer Festschr. 1911 S. 513.
2 ) Scherer, ZfdA. 18, 305.
3 ) Schröder, ZfdA. 39, 144.
4 ) Auch die Verkleinerung Piplnchis müder3483 ist mfrk.
») Vgl. LG. I, 391.