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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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300 B. Weltliche Literatur, b) Das Spielmannsepos.

verfuhren, zeigen jene uns erhaltenen Bruchstücke, die regelmäßigere Formendurchzusetzten suchten, und der Heidelb. Text selbst befindet sich geradezuim Flusse dieser Entwicklung, denn im allmählichen Übergange treten hiergewisse stilistische Eigentümlichkeiten ein, vor allem auch wird der Bauder Verse sorgfältiger. Aber nicht nur der Wortlaut des überlieferten Texteshat Änderungen erfahren, viel mehr fallen die nicht geringen Erweiterungendes Stoffes ins Gewicht, die in den vorauszusetzenden Zwischengliedernzwischen der Grundlage des Heidelb. Textes und der Heidelb. Hs. statt-gefunden haben. Auch für die willkürliche Behandlung des Versbestandesgeben die Bruchstücke verschiedene Beispiele. Es sind Interpolationen, 1 )die in H. von bestimmten Grundsätzen eingegeben sind. Darunter treten be-sonders zwei Gruppen so stark hervor, daß durch sie der Vorstellungsgehaltdes ganzen Gedichtes beeinflußt wird, das sind die bairischen und diereligiösen Bestandteile. Bairische Namen tragen die Großen des Reiches,die zu der engeren Umgebung Rothers gehören, sein alter vertrauter Ratgeber,Berchter, der Vater der zwölf Getreuen, Lupolts, Erewins und der anderen,die für ihren Herrn die gefahrvolle Botschaft übernehmen, ist herzöge, auchgräve von Merän. Dieser Titel war im 12. Jh. an das Dynastengeschlechtder Grafen von Dachau geknüpft. 2 ) Auch hat mit dem Namen dieser Heldender Dichter einen alten Sagenzug aufgenommen: im Wolfdietrich heißt derVater der treuen Gefangenen Berchtung von Meran. Amelger von Tengelingen(Tengeling in Oberbayern) ist in Abwesenheit Rothers Reichsverwalter(740 ff.). Sein Sohn ist Wolfrat,der jegliche Ehre verdient hat", niekamen von einem Geschlecht so viele Helden (u. a. 29542966. 43334352). Auf politische Vorgänge in Bayern scheint der Dichter anzuspielenmit dem Aufstand Hademars von Diezen, eines einem den Tenglingern be-nachbarten Geschlecht angehörenden Großen, der in der Abwesenheit R.s nachAmelgers Tod sich zum Gegenkönig erhebt (2942 ff.). Auf das ganze Volkder Bayern dehnte der Verfasser seinen Preis aus, indem er den Glanz ihresäußeren Auftretens, die Pracht ihrer Gewänder rühmt (35623585). Diesebayerischen Bestandteile gehören wohl der Grundlage von H. an. Der rheini-sche Spielmann um die Mitte des 12. Jhs. dichtete für bayrische Adelshöfeund brachte ihnen mit diesen lokalpatriotischen Übermalungen seine Huldi-gung dar.»)

') Interpolationen: Rückert S. LXI ff.; Verstanden wurde unterMerandieoströmische

Lambel S. 173176; Edzardi, Germ. 18, | Provinz Maronia, d. i. Dalmatien u. Kroatien,

428453; v. Bahder, Germ. 29, 276-288; ' die für das Stammland der Goten gehalten

Wiegand S. 169203; Pogatscher aaO.; j wurde, s. Edzardi S. 391; Kirpicnikov bei

C. A. Turrell, A contribution to the study | Heinzel, Anz. 9, 252; Heinzel, Ostgotische

of König Rother, Modern Language Notes i Heldensage S. 9 ff.; v. Bahder, Germ. 29,

18,2,3538. , 276 f.; Schröder, Kehr. S. 441.

2 ) Seit 1152 nachgewiesen (Müllenhoff, 1 3 ) Müllenhoff, ZfdA. 6, 446 ff.; Haupt

ZfdA. 6, 447 ff. 455; Edzardi. Germ. 18, ' ebda 7,262; Scherer ebda 18,305 u.QF.aaO.;

431 f.; Heinzel, Ostgot. Heldensage S. 66f.).Nach deren Aussterben 1181 wurde der Titelvon den Grafen von Andechs übernommen.

Rückert S.XLVILH. LXf,; Edzardi, Germ.18,402 f. 432 ff.; v. Bahder, Germ. 29,276 ff.:Schröder, Kehr., Einl. S. 66. 70. 74.