§ 80. König Rother.
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Burg, Begegnung mit einer Person vor der Stadt; Erkennung des zu derentführten Frau eingeschlichenen und verborgenen Helden, er soll gehängtwerden; Szene unter dem Galgen, Hornsignal, Befreiung durch die hervor-brechenden Getreuen.
Die Auffassung des Sagenstoffes ist bedingt durch den Geist derZeit. Die Kreuzzüge haben dem abendländischen Menschen eine neue Welterschlossen, ein Wunderland hat sich im Osten aufgetan, ein günstiges Feldfür Märchenphantastik. Wenn der Spielmann vom Orient erzählte, konnte ermit Sicherheit auf das Wohlgefallen seiner Hörer rechnen. Es war interessant,wenn ein deutscher Fürst die Tochter des griechischen Kaisers entführte.Es war etwas Neues. Diesen Schritt tat der Spielmann, der den Liedstoffzum Epos umgedichtet hat, er verlegte den Schauplatz nach Konstantinopel.Ein lokal und historisch bestimmter Hintergrund ist gegeben. Rother ist alsrömischer Kaiser gedacht und als solcher auch Gebieter über Deutschland.Er schiffte sich in Bari ein, dem gewöhnlichsten Hafenort deutscher Kreuz-fahrer. 1 ) Konstantinopel war in der Zeit des ersten Kreuzzuges ein politischerInteressepunkt. Man hat sogar Ähnlichkeiten in dem Charakter Konstantinsmit dem unzuverlässigen und feigen Kaiser Alexius Komnenus (1081—1118)gefunden. 2 ) Die Kaiserburg, Poderamushof 893. 2156. 4586, ist derHippo-dromus. Unter den Gewalttaten, die die Pilger auf der Kreuzfahrt 1101 inKonstantinopel verübten — auch deutsche Herren wie Herzog Weif IV. vonBayern nahmen an diesem Zuge teil — hatte die Tötung eines zahmen kaiser-lichen Löwen Aufsehen erregt: eine Erinnerung an dieses Stücklein magnoch in der Kraftprobe Asprians 1146 ff. enthalten sein. 3 ) Das Spielmanns-epos vom König Rother setzt also den ersten Kreuzzug voraus.
Die Grundlage des uns erhaltenen Textes wird um die Mitte des 12. Jhs.,etwa 1140—1150, entstanden sein. 4 ) Unsere Heidelb. Fassung war vonjenem Original durch verschiedene Zwischenglieder getrennt und sowohl derWortlaut im einzelnen als der Umfang hat jenem gegenüber nicht unbeträcht-liche Änderungen durchgemacht. 5 ) Wie frei die Schreiber mit ihrer Vorlage
') Müllenhoff, ZfdA. 6, 446; Scherer,ebda 18, 305 u. QF. 12, 93 (vgl. dazu Kehr.17087—17096 u. Schröders Anm. in denVarianten seiner Ausgabe S 389, dazu auch17142 s. auch 16600«.); Edzardi, Germ.18 S. 402; Wald. Haupt S. 166 f.
2 ) Edzardi, Germ. 18,389 f.; NECKEL.Germ.-rom. Monatsschr. 1921, 281.
3 ) Leonem domitum, qui erat gratissimusin palatio Imperatoris, Albertus Aq. VIII, 4,s. Wilken, Gesch. d. Kreuzzüge 2, 124. DieTötung des Löwen durch Peredeo (s. obenS. 297 Anm. 1) kann als altes Motiv derlangobardischen Sage angehört haben unddurch dieses neue Ereignis wieder belebtworden sein, vgl. Symons S. 116.
4 ) Der einzige bestimmtere historische An-haltspunkt ist die Benennung Berchters als
Herzogs (Grafen) von Meran, die um 1150nachzuweisen ist (s. unten). Für die Zeit um1140 würde auch die Sprache unseres Ge-dichtes passen. Daß schon vorher, etwa von1120 an, der Uebergang vom Lied zum Lese-epos gemacht wurde, ist möglich. Heinzel,Anz. 9, 245, nimmt als Entstehungszeit denBeginn des 12. Jhs. an, „als die Lieder dieForm des literarischen Epos anzunehmen be-gannen". Siehe ferner ROckert S. LV—LIX.LXVf.; Scherer, QF. 12, 92 f.; Edzardi,Germ. 18, 388 ff.; v. Bahder, Germ. 29, 278.293 f.; Schröder, Kehr. S.440; VoGT.ZfdPh.22, 480 ff.
6 ) Lambel S. 188 ff.; Edzardi, Germ. 18,428—453; v. Bahder, Germ. 29, 276—288;Wiegand S. 165—203; Pogatscher S. 1 ff.