Druckschrift 
Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
Entstehung
Seite
298
Einzelbild herunterladen
 

298

B. Weltliche Literatur, b) Das Spielmannsepos.

Komischen neigende Spielmannslied der Fahrenden, dessen Inhalt etwa ausjenen Grundzügen bestanden haben mochte, die für R. unten zusammengestelltsind (II). In dieser Gestalt mochte die Oserichsage (s. vorige Seite Anm. 3) nachNiederdeutschland gekommen sein, wo sie zur Osanctrix-Version umgebildetwurde. Dassingbare Lied" wird zumLeseepos" 1 ) durch Aufnahme neuerZüge und technischer Erweiterungen (III). Dieses waren die typischen Haupt-entwicklungsstufen, die indes nicht regelmäßig periodisch aufeinander folgten,vielmehr mag sich das Spielmannslied noch lange neben dem umfangreichenSpielmannsepos erhalten haben. Bei der wandelbaren Überlieferung der Volks-literatur waren aber verschiedenartige Bearbeitungen dieser Typen im Umlauf,indem die Texte den strenger werdenden Kunstforderungen angepaßt wurdendurch Verbesserung des Ausdrucks und Regelung der metrischen Form, oderindem der Verfasser besondere Tendenzen bevorzugte. Auch das Bedürfnis,den Umfang zu vergrößern, konnte bei solchen Änderungen mitgewirkt haben.Die den festen Grundstock erweiternden Bestandteile wurden dem all-gemeinen Motivenschatz 2 ) entnommen. Schon früh, wohl im Spielmannslied,ist der ursprüngliche Inhalt durch die Erzählung von den gefangenenDienstmannen bereichert worden. Sie stammt aus der fränkischen Wolf-dietrichsage, deren Mittelpunkt sie bildet, 3 J und Berchter von Meran, derRatgeber Rothers und Vater der Gefangenen, ist der Berchtung von Meranin den Wolfdietrichepen. 4 ) Den stärksten Zuwachs hat der Stoff naturgemäßbeim Übergang vom Lied zum erzählenden Gedicht (III) erfahren. Der 2. Teil,die Wiederholung der Brautfahrt, wird zugefügt. 6 ) Er beruht ganz auf Ent-lehnungen aus der Salomosage: G ) die Verlockung auf das Schiff zur Be-sichtigung der Waren durch vorgebliche Kaufleute, der Spielmann als Ent-führer; Lagerung des Heeres vor der Stadt, der Held geht ohne Heer in die

') VOGTTzfdPh. 22, 480ff. und in Vogt 6 ) Vgl. Müllenhoff, D.AK. 1, 39;

u. Koch, Gesch. d. d. Lit.< S. 91.

2 ) Für den mhd. Rother s. Thien aaO.

3 ) Einfluß d. Wolfdietrichsage auf K. R.:Müllenhoff, ZfdA. 6,447 ff.; ROckert S. X f f.XXXII ff. XLIXff.; LambelS.171 f.; Heinzel,Ostgot. Heldensage S. 66 ff.; Bührig S. 2153; Thien S. 53; Schneider, Wolfdietr.S.215f.361 ff. 391, dazu Baesecke, Anz.38, 4251;Voretzsch, Ep. Stud. S. 289; vgl. ferner Frz.Settegast, Quellenstudien z. gallo-roman.Epik, Leipzig 1905 S. 325 ff. 336 ff.; Jan deVries, Rother en Wolfdietrich, Neophilologus

4, 121129. Rother u. Alexander: v.Bah-der, Germ. 30, 394 ff.; Rother u. Nibelungen:Droege, ZfdA. 51, 197199.54, 166. Rotheru. Hildesage: Symons, Kudrun 2 S. LXIX.Rother u. Herzog Ernst: Haupt, ZfdA. 7,262. 289; Bartsch, H. Ernst S. CLXIX. Rotheru. Boevesage: Deutschbein, Studien zurSagengeschichte Englands S. 3439. 4755. 83 f. 254.

4 ) Müllenhoff, ZfdA. 6, 447 f.; Rückert

5. XLVI ff.; D. Heldenb. IV S. XXXIX; ThienS. 5 f. 10 ff.

) Vgl. Müllenhoff, D.AK. 1, 39; D.Heldenb. III S. LXIV.

6 ) Wilmanns, Anz. 7, 283 f.; Bührig S.2153; Singer, Anz. 22, 46 f.; Panzer, Hilde-Gudr. S. 268 f. 368370; Panzer, Germ.Abh. für Paul S. 321 ff.

s ) Literatur s. bei Thien S. 2 f 27; vgl.auch die Heimkehrsage: Uhlands Schriften4, 286 ff. 8, 397399. 419 ff.; Bartsch, H.Ernst S. CXIVff.; Erwin Rohde, Der griechi-sche Roman 1 S. 182; Vogt, Beitr. 12, 431 ff.;Berger, Orendel S. LXXX ff.; Beer, Beitr. 13,35 ff.; Splettstösser, Der heimkehrendeGatte u. sein Weib in d. Weltliteratur, Berlin1899; Walther Seehausen, Michel Wyssen-herre, bes. S. 73 ff.; Deutschbein, S. 3947.51 ff.; A.Hilka, DieInclusa,Mitteil. d.Schles.Gesellsch. f. Volkskunde 19, 29ff.; MathildeEberle, Die Baqueville-Leg., Berner Diss. 1917;BoLTE-PoLivKA Nr. 218,3,517 ff.; s. auch untenbei Orendel. Ein Motiv aus der Sage vomheimgekehrten Gatten ist es wenn Rother ge-rade zum Hochzeitsgelage seiner wiederver-mählten Frau eintrifft und sich durch einen inden Becher geworfenen Ring zu erkennen gibt.