§ 80. König Rother.
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sage, denn die den Höhepunkt der Ereignisse bildende Szene enthält beideMale das gleiche Motiv: ein Fürst, der für sich selbst, als sein eigener Ab-gesandter, unerkannt, um die Braut wirbt, und sich ihr durch eine heim-liche, vertrauliche Handlung zu erkennen gibt, dabei die Mitwirkung derAmme. 1 ) Speziell auf langobardische Verhältnisse weist der Name des Helden,Ruother, der dem langobard. Rothari entspricht. Die Sage wurde von Authariauf den späteren König Rothari übertragen (636—652), der als Gesetzgeber(Edictus Rothari) 2 ) und als Eroberer hohen Ruhm in seinem Volke besaßund dessen Name durch sein Gesetzbuch fortlebte.
Entwicklungsgeschichte des Epos vom König Rother. Die Rother-sage kam von den Langobarden zu den nördlich benachbarten Baiern undwurde dann durch fahrende Sänger nach Niederdeutschland gebracht, wosie auf den dort bekannten Sagenhelden Osanctrix übertragen wurde. 3 )
Die Entwicklung, die die Rothersage bis zu der uns erhaltenen Fassung,dem mhd. Gedichte, durchmachte, hat verschiedene Stufen durchlaufen, 4 )deren älteste Form, die Autharisage, in der Aufzeichnung des Paulus Diaconuserhalten ist. Zugrunde liegt ihr ein verlorenes Gedicht, ein Heldenlied inStabreimen und germanisch-epischem Stil, vorgetragen vom Volkssänger, demSkop (I). Die Kunstform ändert sich, an Stelle des Stabreims tritt der Endreim,das ernste, getragene Heldenlied wird verdrängt durch das leichte, zum
') Auch die Riesen scheinen schon einerlangobard. Fassung der Rothersage angehörtzu haben. Asprian und besonders Widoltgleichen in ihrer Wildheit Berserkern unddieser Kriegertypus ist außer im Norden nurbei den Langobarden nachzuweisen, vgl.Paulus Diac.1,11 (Heinzel, Anz.9,248—253;KöGEL, LG. 1, 1, 118, Symons, Heldensage 2S. 115 f.; vgl. auch Herm. Güntert, Ueberalte inländische Berserker-Geschichten, Beil.z. Jahresber. d. Heidelberger Gymn. 1912.In der Nachgeschichte der Erzählung desPaulus Diaconus liegt noch eine, allerdingswohl zufällige, Aehnlichkeit mit der Sage:Theudelinde flieht vor einem in das Landihres Vaters einfallenden Feinde zu ihremGeliebten, wie Konstantins Tochter nach demvermeintlichen Sieg Ymelots zu Rother. —Auch darin, daß Rother in dem mhd. GedichtKönig von Rom ist, könnte noch eine alteErinnerung an den langobard. Rothari nach-klingen, in dem man Lamparten und Romals ein Reich auffaßte, so wie auch Ortnit„der Lamparte" Herr über Röme und Lateranwar (Ortn. Str. 6, Wolfdietr. D 111 Str. 47), s.Holthausen, Beitr. 9, 476; Wald. HauptS. 166 f. — Aus langob. Sage kann endlichauch die Geschichte von der Tötung desköniglichen Löwen durch Asprian stammen:einen ähnlichen in Konstantinopel vorgekom-menen Fall berichtet Paulus Diac. 11, 30:Peredeo, ein ungemein starker Mann, tötetein einem Kampfspiel zu Konstantinopel vor
; dem Volke und dem Kaiser einen Löwenvon wunderbarer Größe. Ueber historische' Lieder der Langobarden s. Kögel, LG. I, 1,j 115-122.
2 ) Einige Paragraphen dieses Gesetzbuchesj handeln von gewaltsamer Ehe, Ehe gegen
den Willen der Eltern, Raub von Verlobten,s. Carl Meyer, Sprache und Sprachdenk-mäler der Langobarden S. 28 f.
3 ) Der Name der entführten Prinzessin warursprünglich nicht Helche-Erka, sondern wieim WalthariusliedeÖspirin, vgl.MüLLENHOFF,ZfdA. 10, 171 f., D.AK. IV, 668 ff.; Laistner,ZfdA. 38, 132; Kögel, LG. I, 2, 288; Wil-manns, Gott. Abh. VII, 2, 16; Althof, Wal-tharii Poesis 2, 53 f.; Wald. Haupt S. 91. —Im Biterolf wird Helche, Etzels Gemahlin,Öseriches kint genannt, V. 1962, und vorherwird auf ihre Wegführung durch Etzels Ge-sandte angespielt, v. 341 ff. 367—386. DiesenBericht schöpfte der Dichter des Biterolf ausseiner Kenntnis d. nd. Sage, vgl. Wald. HauptS. 91.162.—Zum Namen Osanctrix s. MOllen-HOFF, ZfdA. 10, 171 f., D.AK. IV, 668 ff.;Heinzel, Anz. 9, 249; Wrede, Sprache d.Ostgoten S. 111—113; Laistner, ZfdA. 38,132 f.; Schatz ebda 43, 39 f.; Heusler ebda52,101 u. Hoops Real-Lex. 1,138, s. auch Intern.Monatsschr. 1918, 103 ff.; M. Schönfeld,Wörterbuch d. altgerm. Personen, u. Völker-namen S. 178 f.
*) Vgl. Kirpicnikov bei Heinzel aaO.; v.d. Leyen aaO.