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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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B. Weltliche Literatur, b) Das Spielmannsepos.

nicht nur eine Tapferkeitsprobe, sondern es geht um die Herrschaft. Ehreist Ruhm der Tapferkeit, Ehre ist aber auch Macht. Damit tritt die Macht-frage als ein die Vorgänge der Erzählung mit bestimmender Gesichtspunktin das technische Gefüge der bewegenden Momente. Ein solcher Kraft-mensch, in dem das Zentralgefühl herrscht, wer ist der stärkere (Kap. 52),ist Osanctrix, der Held der in die Thridekssaga eingeschalteten, hier inBetracht kommenden Episode. Gegenüber der hochdeutschen Fassungder Sage, die im Gedichte vom König Rother vorliegt, stellt die Erzählungder Thidrekssaga die niederdeutsche Gestaltung dar.

Inhalt dieser niederdeutschen Version:

König Osanctrix von Wilkinaland will nach dem Tod seiner ersten Gattin Juliana sichwieder vermählen. Melias, der König von Hunaland, hat eine schöne Tochter, Oda, die eraber niemand zur Frau geben will. O. sendet zwölf Boten mit einem Werbungsschreibenan Melias, worin er ihm im Falle der Weigerung mit seiner Macht droht. Melias läßt diezwölf Ritter ins Gefängnis werfen. O. beruft die Ratsversammlung, er will durch einenKriegszug diesen Schimpf rächen, aber der Rat schlägt ihm vor, würdigere Boten, seine NeffenHertnid und Osid, zu senden. Diese überbringen einen Werbungsbrief an Melias zugleichmit der Forderung, die Gefangenen freizugeben, im Weigerungsfalle O. Rache nehmen werde.Hertnid überbringt die Botschaft mit wohlgesetzter Rede und zugleich kostbare Geschenke.Aber Melias lehnt sie höhnisch ab und läßt auch diese zweite Gesandtschaft gefangensetzen. O. zieht mit Zustimmung der Räte ins Hunnenland. Er entbietet dazu den KönigAspilian von Seeland und seine 3 Riesenbrüder, worunter Widolf mit der Stange, dem seineEisenstange und eine Kette, an die er wegen seiner Wildheit gefesselt werden muß, überallnachgetragen wird. O. läßt sich von seinen Mannen Friedrich nennen, zieht friedlich imHunnenland ein und macht sich durch seine Freigiebigkeit beim Volk beliebt. Melias trautdem Friedrich, der als Vasall in seine Dienste treten will, nicht und nimmt ihn trotz Bittenseiner Tochter Oda nicht auf. Widolf stampft, zornig über die Demütigung seines kniefälligbittenden Herrn, mit beiden Füßen bis über die Knöchel in die Erde und Aspilian schlägtMelias an das Ohr, daß er besinnungslos niederfällt. Der Kampf bricht los, Widolf erschlägtalles Lebendige in der Burg, die gefangenen Boten sprengen das Gefängnis, Melias ent-flieht. Oda übergibt sich in Friedrichs Gewalt, er aber setzt sie auf sein Knie und ziehtihr einen silbernen und einen goldenen Schuh an den Fuß. Da sagt die Königstochter:Wann werde ich den Tag erleben, daß ich so meinen Fuß auf des Königs O. Thron setzenwerde?" Und er antwortet:Heute ist der Tag, daß du deinen Fuß auf den Hochsitz desO. strecken magst." Da erkennt sie ihn. Er führt sie mit sich heim und söhnt sich mitMelias aus. O.s und Odas Tochter ist Erka (die später Attilas Gemahlin wurde).

Vergleich der Roth er- mit der Osanctrix-Sage. Beide haben Sonder-merkmale gegenüber andern Werbungssagen gemein, worin 1 ) ihre enge Zu-j sammengehörigkeit beruht: die Riesen als Helfer, die sogar die gleichenNamen haben: AsprianAspilian, WidoltWidolf (Widolt mit der StangenRoth. 2165 = Vidolfr mittumstangi Thidr.-Saga); der Freier übernimmt selbst

') W. Grimm, DH. 3 , Register unt. Oserich,Ruther; Müllenhoff, ZfdA. 6, 446. 10,171.12,340343. 348: Wilh. MÜLLER, Mythol.S. 190 ff. u. Reg. unt. Osantrix, Rother; EL.H. Meyer, Mythol., Reg. unt. Rother: Symons,Heldensage 2 S.620.720f; Jiriczek.D Heldens.1, 174 ff.; Heinzel, Rez. von Schriften Kir-picnikovs zur deutschen Heldensage, Anz. 9,

241ff.;PAUL,Münch.SB.aaO.,bes.S310314;BüHRiG.Thien; Panzer, Hilde-Gudr., Reg. unt.Rother; Ders., Germanist. Abhandl., H. Pauldargebr.S.315ff.; Baesecke, Münch. Oswald,Reg. unt. Osantrix, Rother; Schneider, Wolf-dietr., Reg. unt.Osangtrix, Rother; v. D. Leyen,Die d. Heldensagen, D.Sagenb. 2. Teil, S.218228; Symons, Kudrun 2 S. XI LXXII.