§ 80. König Rother.
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gehemmt schreitet die Handlung in der Fülle der Szenen vorwärts, die allenach dem einen Ziele, der Entführung, streben, anschaulich sind die Situa-tionen gezeichnet, scharf sind die Charaktere in ihren Sondereigenschaftenabgestuft, der Wechsel zwischen Ernst und Scherz belebt die Stimmung indieser Intrigengeschichte. Der Grundton aber ist ein wohlbehaglicher Humormit dem Optimismus eines Märchens.
Die Osanctrix-Sage. Der 1. Tel der Erzählung des Gedichtes, RothersWerbung und Brautfahrt, ist noch in zweiter Fassung überliefert, in einerEpisode der Thidrekssaga Kap. 29—38. Die Thidrekssage, 1 ) früher meistWilkina Saga genannt, ist eine umfangreiche Sammlung von Heldengeschich-ten, die von einem Isländer veranstaltet, aber im zweiten Teil, der voneinem Norweger herrührt, stark umgearbeitet ist (um 1230—1250). DieQuellen sind deutsche Erzählungen und Gedichte, die Gewährsmänner warenNiederdeutsche, vielleicht hanseatische Kaufleute, die nach SkandinavienHandel trieben. Speziell für die in der Kompilation inbegriffene Nibelungen-sage beruft sich der Sammler auf Männer von Soest, Bremen und Münster.Also nur die Sprache der Thidrekssaga ist altnordisch, der Inhalt bestehtaus der deutschen Heldensage, wie sie im 13. Jh. in Liedern und Erzäh-lungen in Nordwestdeutschland verbreitet war. Die meisten uns aus dermhd. Lit. bekannten Heldensagen sind hier zu einem außerordentlich reich-haltigen Cyklus zusammengestellt, in dessen Mittelpunkt die ReckengestaltDietrichs von Bern gestellt ist. Es will aber das Sammelwerk zugleich eineDarstellung der Vorzeit sein, eine Geschichte der großen Reiche von Wilki-naland (Land der Wilzen, der Slaven zwischen Elbe und Oder), Rußland,Hunnenland, Italien. Es ist als eine historische Chronik aufgefaßt, wie etwadie ebenso aus Sagen und Liedern entstandenen dänischen Geschichten desSaxo Grammaticus. Diese historische Tendenz, mit der natürlich die Ab-sicht zu unterhalten wohl vereinbar war, hat auf die Einzelbehandlung ein-gewirkt. Die Kämpfe der Fürsten und ihre Unternehmungen sind nicht bloßpersönliche Heldentaten, sondern zugleich politische Handlungen. Sie werdenzu ihren Leistungen nicht allein angespornt durch Ehrgeiz und Ruhm, sondernnoch dazu durch den Trieb, ihre Kraft zu bezeugen. Ein Kampf ist dann
') Literatur der Thidrekssage, diefür die Rothersage in Betracht kommt: W.Grimm, DH. 3 , Reg. unter Vilkina Saga. —Ausg.: C. R. Unger, Christiania 1853;Henrik Bertelsen, Kopenhagen 1905—1911.Uebersetzungen: F. H. v. D. Hagen, Ad. u.a.nord. Heldensagen, 2. Aufl., Wilkina- u.Niflunga-Saga, 2 Bde., Breslau 1855; Aug.Raszmann, Die deutsche Heldensage, Bd 2,Hann. 1858,2.Aufl. 1863.— FinnurJönsson,Den oldnorske og oldislandske LitteratursHistorie II, 2, Kopenhagen 191, S. 847—863;Elard Hugo Meyer, Germ. MythologieS. 46 f.; Symons, Heldensage, PaulsGrundr 2II, 1, 636 (SA. S. 31); O. Klockhoff, Studier
öfver bidrekssaga, Upsala 1880; Holthausen,Beitr. 9, 451—503; Paul, Die bidrekssagaund das Nibelungenlied, Münch. SB. 1900S. 297—338 (bes. S.310— 314);Mogk, Gesch.d. norweg.-isländ. Lit. Pauls Grundr. 2 S. 859—864 (SA. S. 305-310); R. C. Boer, DieSagen von Ermanerich u. Dietr. v. Bern, Germ.Handbibl. X, Halle 1910; Heusler, Berl. Ak.1914, 1129; Hans Friese. Pal. 128; Wald.Haupt, Pal. 129, dazu Golther, Lit.Bl. 1917,73—77; J. J. A. A. Frantzen, Neophilologus1, 196—209. 267—282; Wolfg. Stammler,Hans. Gesch.bl. 1919, 38. Weitere Literaturfindet man in den hier angeführten Werken.