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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 79. Die Kaiserchronik vom Pfaffen Konrad. 289

Motive (Häufung, Wiederholung). Oder sie bestehen in einer Ausmalungdes Kostüms und haben nur ornamentale, dekorative Wirkung: das sindSchilderungen und Beschreibungen von Kämpfen und Heeresaufgeboten, vonKleidern und Rüstungen, Festen, Empfängen. 1 ) Die technische Aufgabe beider Verarbeitung eines Liedtextes oder Liedstoffes zu einem Epos bestandim Grunde einfach in der Verlängerung des Umfangs, d. h. in der Erweiterungdurch die Nebenmotive.

Die Überlieferung der Spielmannsgedichte war sehr frei. Mochten auchdie Fahrenden geschriebene Texte besitzen, Büchlein 2 ) oder Einzelblätter, inder Hauptsache trugen sie ihre Stoffe gedächnismäßig vor. Bei der Art derVerbreitung war natürlich der ursprüngliche Typus starken Veränderungenausgesetzt und die Vortragenden verfuhren sehr willkürlich mit ihren Quellen,sie änderten den Wortlaut, machten Zusätze, kürzten nach Belieben. Dem-zufolge weichen auch noch unsere Handschriften vielfach voneinander ab.Die Heimat dieser Spielmannsgedichte waren die Rheinlande, 3 ) dahinweist der mittelfränkische Dialekt der uns erhaltenen Stücke. Die alten frän-kischen Kulturlande um Köln, Trier, Aachen sind von jeher in naher Be-ziehung zu der westlichen Bildung gestanden, dort auch entwickelte sichzuerst jene in der Lebensauffassung und im Stil eigenartige spielmännischeLiteratur, deren erste Anzeichen uns in den geistlichen Balladen vom LobSalomons, den drei Jünglingen und der älteren Judith überliefert sind. Dierheinischen Spielleute fanden besonders in Bayern gastliche Aufnahme undverbreiteten dort ihre Erzählungskunst und ihre neuen Stoffe.

Literatur über den Stil der Spielmannsdichtung: J. Grimm, D. Rechtsaltert.S. 1 ff.; Heinzel, Ueber d. Stil d. altgerm. Poesie, QF. 10; R. M. Meyer, Die altgerm. Poesienach ihren formelhaften Elementen 1889; Otto Hoffmann, Reimformeln im Westgerm.,Freib. Diss. 1885. Für das Ahd. u. As. s. die in Braunes LB. unter 'Literar. Nachw.' an-geführten Arbeiten: für den Heliand: Sievers Ausg. S. 391-495, dazu Rödicer, Anz. 5,267-277; Paschaly, Behaghel (Hei. u. as. Ges.)? Pauls; für Otfrid: Paul Schütze; Nau-mann, Boethius S. 86 ff. Für das Frühmhd.: Behaghel, Germ. 24, 167 ff.; Ders. Beitr.30, 431 ff.; Schröder, Anegenge S. 24 ff.; Kraus, D. Ged. in den Anm. S. 71 ff. u. Reg.

') Rud. Fischer, Zu den Kunstformen des sage S. 68 ff. 77 ff; Pniower, ZfdA. 33, 73 ff.;

m.alterl. Epos, Wien u. Leipz. 1899. die Abhandlungen von Singer über Apol-

2 ) Erhalten ist uns nichts dergleichen, aber lonius und Tardel s. unten bei Orendel; LEOdie Ueberlieferung vom Lob Salomons und , Wolf, Der groteske u. hyperbolische Stil,der damit verbundenen geistlichen Spiel- [ Palaestra 25, 8 f.; Singer, Neujahrsblättermannsballaden deutet auf eine solche Sammel- ! der literar. Gesellsch. zu Bern 1917; Ders.,Hs., s. oben S. 6 f. Vgl. Vogt, ZfdPh.22, 487. ; MA. u. Renaiss. S. 52 f. Ueber germ. (alt-

3 ) Vgl. bes. John Meier, Stud. zur Sprach- , fränk.) Elemente im a.franz. Heldenepos:u. Literaturgesch. der Rheinlande, Beitr. 16, , Voretzsch, Einführung Kap. II §4 u. Ep.64 ff. (speziell 79 ff. 92 ff.); Vogt, Gott. gel. Stud. I; Pio Rajna, Le origim dell epopeaAnz. 1912, 243-251; Gierach, Sprache Eil- francese, Turin 1884; Gust. Brockstedt,harts S. 259; Baesecke, Die Westmark 1, ' Floovent-Studien, 1907, dazu Blote, Anz 34,363-368. Beziehungen zwischen der 49-52 u. Brockstedt, Das a.franz. Sicgfrid-deutschen und französischen Spielmanns- ; lied, 1908, dazu Blote, Anz. 34 5355;kunst haben bestanden und der Einfluß der Burdach, Deutsche Abende H 4 b. 13;Jongleure auf die deutsche Spielmannsdich- [ Heusler, Aufsätze für Braune S. 79 ff., Nib.-tung ist auch in Einzelheiten ersichtlich, vgl. ', sage u. Nib.lied S. 33. 88; Voretzsch, ZurScherer QF. 12,22f.; Henning, Nibelungen- Gesch. d. Nibelungensage in Frankreich u.studien,QF.31,19ff.;HEiNZEL,Ostgot.Helden- Deutschland, ZfdA. 51, 3959.

in

Deutsche Literaturgeschichte. II. IC7