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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
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§ 79. Die Kaiserchronik vom Pfaffen Konrad.

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tragene Kleider, ein Pferd, Geld. Auch sie entstammten allerlei sozialenKreisen, viele mochten schon von Herkunft der wandernden Gesellschaftangehört haben, ihnen lag die Künstlerboheme im Blut, manche kamen, dieihren Beruf verfehlt hatten, verbummelte Scholaren, entlaufene Kleriker, Va-ganten; es waren aber auch ernst strebende Männer darunter, die durch-drungen waren von den hohen Idealen ihrer Zeit, der Kirche und des Rittertums.

Die Stoffe der Spielmannsepik lagen in dem allgemein überliefertenSchatz von Geschichten, Märchen, Schwänken, Anekdoten, von biblischenErzählungen und Legenden bereit, dazu fanden merkwürdige Taten und Be-gebenheiten der Gegenwart als niuwiu mcere begierig Aufnahme. Die Kreuz-züge, die dem Abendlande eine neue Welt erschlossen, lieferten neue Stoffe,vor allem aber gaben sie einen veränderten Schauplatz ab, und zwar einensolchen, auf dem die fesselndsten Ereignisse der Zeitgeschichte spielten,wobei nunmehr die Spieler und Gegenspieler sich teilten in Christen undHeiden. Der beliebteste Gegenstand war die Entführung der Braut, 1 ) jenesalte, in Geschichte und Literatur weit verbreitete Thema, wie der Mann sichdas Weib erringt durch List oder Gewalt oder durch beides, das auch ausder Frühzeit der Griechen und der Römer überliefert ist (Raub der Helena,der Sabinerinnen) und seine Wurzel in der wirklichen Geschichte, in densozialen Zuständen primitiver Kulturen hat. In diese Form ist in der Spiel-mannsdichtung das Liebesbegehren vom Mann zur Frau gekleidet, es istnicht Minne, eine das ganze Gefühlsleben ergreifende Leidenschaft, dassüße Geheimnis von Wonne und Weh, sondern es handelt sich um die Ehe,das heißt meist um einen politischen Akt, zu dem Zweck die Nachfolgezu sichern.

Der ethische Ton der Spielmannsdichtung ist charakterisiert durch einenhumoristischen Einschlag und darin liegt der Unterschied gegen die nationaleHeldensage, die in ihrem erhabenen Pathos der sittliche Ausdruck einer Welt-

treten durch Volker im Nibelungenlied, durchHorant in der Kudrun. Spielleute im Gefolgeder Herren: W. Grimm, DH 3 , 423425.

') Werbung, Entführung oder Brautraubbildet das Grundmotiv im Walthariuslied(eine Werbung auch im Ruodlieb, LG. I,393 ff. 400 ff.), Rother, Salman, Oswald, Oren-del, Nibelungelied, Kudrun, Ortnit, Hug-dietrich (Werbung auch in der Exodus[Isaac], im Ged. Von d. Hochzeit), oft in derThidrekssaga. Literaturangaben s. bei denfolgenden Spielmannsged., ferner in denWerken über die deutsche Heldensage: W.Grimm, W.Müller, Symons, v. d. Leyen;Panzer, Hilde-Gudrun; Ders., Sigfrid;Baesecke, Münch. Osw., bes. S. 266 ff.;Schneider, Wolfdietr.; Heinzel, Ucber d.Walthersage S. 66 ff.; Burdach, Verh. der44. Philol.-Vers. in Dresden 1897 S. 29; Vor-etzsch, Epische Stud. 1, 189 ff. 337 ff.; Ders.,Phiiol. Stud. für Sievers S. 87 ff.; Wechssler,

ZfromPh. 25,449471; Deutschbein, StudienS. 274 ff.; Vogt, ZfdPh. 23,496; Singer, ZfdA.35, 177 ff.; Heusler, Germ. Abh. für Herrn.Paul S. 12 ff. u. ö.; Ders., Hoops Real-Lex.1, 376; V. Unwerth, Beitr. 38, 280 ff.;Wolfskehl, Germ. Werbungssagen; Fr. R.Schröder, Germ.-rom. Monatsschr. 1920,288; Dorsch, Zur Herbortsage, Hall. Diss.1902; Tardel, Unters, zur mhd. Spielm.-poesie, bes. S. 33 ff.; SchmeTNG, Flucht- u.Werbungssagen in der Legende, Münst. Diss.1911; Thien, Uebereinstimmende Motive;Bührig, Sage vom K. Rother; Schoepperle,Tristan and Isolt, 1913, S. 188 ff.; EdwinSidney Hartland, The Legend of Perseus. Häufige Nebenmotive sind: Verkleidung(Gestaltenwechsel), Träume; typische Per-sonen: der werbende Held, der die Tochterversagende Vater, die umworbene Prinzessin,die günstig gesinnte Mutter, der hilfreicheDämon.