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B. Weltliche Literatur, b) Das Spielmannsepos.
hundert Spielmänner (Rother 4293 ff.). Die fahrenden Leute wurden von denHerren zu mancherlei Diensten verwendet, als Boten, Kundschafter, Kuppler,oder um in Verkleidung listige Anschläge auszuführen. Gerade die folgendenSpielmannsepen eröffnen lehrreiche Einblicke in das Leben und Treiben derfahrenden Leute, denn mit naiver Eitelkeit und selbstgefälligem Behagenmessen die Verfasser ihrem Stande und auch den niederen unter ihren Zunft-genossen eine besondere Wichtigkeit bei.
Die Geschichte des Spielmannswesens ist bedingt durch die kulturellenund politischen Wandlungen. Solange die nationale Sitte herrschte, war derSänger ein angesehener Mann am Fürstenhofe, ein geehrtes und gefeiertesGlied unter der Gefolgschaft. Aber als die Kirche die Volksbildung kleri-kalisierte und die Verehrung der heimischen Heldengestalten zusammt demSchicksalsglauben zu verdrängen begann durch die Lehre vom dreieinigenGott und dem leidenden Erlöser, als die Literatur sich spaltete in einenhöheren, geistlichen und einen niederen, weltlichen Teil, da verlor auch derVolkssänger seine bevorzugte Stellung, — er war ja nicht mehr der Trägerder geistigen Werte und Ideale—, und näherte sich dem römischenMimus, 1 )der schon seit der Völkerwanderungszeit die Höfe mit leichterer, auch leicht-fertigerer Kunst ergötzte. Die abgünstige Stimmung der Kirche gegen dieSpielleute findet auch in der frühmhd. Zeit in manchen polemischen Worten,mit denen geistliche Verfasser auf ihre lügenhaften Geschichten anspielen,kräftigen Ausdruck. 2 )
Höheres Ansehen als jene vor dem Volke auftretenden Straßenkünstlergenossen die bei den Höfen zugelassenen Sänger. Die Liebe zur altenHeldensage war im Volke noch lebendig, 3 ), mehr noch auf den Burgendes Adels vor den vornehmen Herren und Damen wurde von den Riesen-und Drachenkämpfen Dietrichs von Bern oder von dem Untergang derNibelunge gesungen; wie ehedem in früheren Jahren so war es auch jetztnoch die Aufgabe der Hofdichter, die Gesellschaft zu unterhalten und zubelustigen, besonders bei den Gelagen. 4 ) Neben der nationalen wurde hier,wie im Volke, auch die lehrhafte Poesie gepflegt und die Spruchdichterwaren als Bewahrer alter Volksweisheit Lehrer sittlicher Grundsätze undpraktischer Klugheitsregeln. Vor allem war es auch ihnen um die Gnadeder Herren zu tun und sie entfalteten eine rege Tätigkeit in Preissprüchen,mit denen sie den Ruhm der freigebigen Gönner verbreiteten.
Auch diese Hofdichter betrieben ihre Kunst als Handwerk, sie nahmenBelohnung für das Lob, das sie den Herren sangen, 6 ) kostbare, auch ge-
') Ueber den Mimus s. LG. I, *Reg. S. 464.
2 ) Scherer, QF. 12, 17 ff.
3 ) Quedlinburger Annalen, LG. I, 90.
4 ) Von Hofsängern berichten zwei Er-zählungen des dänischen GeschichtschreibersSaxo Grammaticus (um 1200i zu den Jahren1131 u. 1157, Saxo ed. Holder S.427 f. 490,
vgl. W. Grimm, DH. 3 S. 53 f.; Müllenhoff,ZfdA. 12,335-337; Kogel, LG. 1,2, 195 f.5 ) Guot umb ere nemen, s. bes. Burdach,Reinmar S. 132. — Musik war aber auchHerrenkunst: Ruodlieb (Seiler IX, 30 ff.)und Rother (s. unten) spielten die Harfe. DerTypus des ritterlichen Spielmanns ist ver-