Druckschrift 
Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 1 (1922) Frühmittelhochdeutsche Zeit
Entstehung
Seite
285
Einzelbild herunterladen
 

§ 79. Die Kaiserchronik vom Pfaffen Konrad.

285

Jänicke D.Heldenb. IV.Einl. S. XLVI ff.; Vogt, Salman, Einl. S. CXXII ff.; Berger, OrendelS. CCXV; Stosch, Der Hofdienst der Spielleute im deutschen MA., Berliner Diss. 1881 ;Seemüller, Wiener SB. 102 (1882), 612 f.; Schönbach, Wiener SB. 142 (1900), VII, 5696;Panzer, Erzbischof Albero von Trier und die deutschen Spielmannsepen, Germanist. Abh.H. Paul dargebr., S. 303332; Hampe, Die fahrenden Leute, Leipz. 19C2; Edmond Farel,Les Jongleurs en France au Moyen Age, Paris 1910; Friedr. Kauffmann, D. Altertumskunde,S. 314; Schwietering, Gemeit, ZfdA. 56, 125 ff.; Burdach, Berliner AK. 1918 S. 10201022, Deutsche Abende S. 13; Roethe, Deutsches Heldentum, Kaisergeburtstagsrede, Berlin1906; Vogt, Das Königs- u. Kaiserideal in der deutschen Dichtung des MA.s, Kaiser-geburtstagsrede, Marburg 1908; Behaghel, Der Krieg im ad. Epos, Westerm. Monatsh. 118(1915) II, 669676; Petsch, Germ. Heldentum, Preuß. Jahrb. 164 (1916), 303-318; Roethe,Vom Altert, zur Gegenwart, 1919 S. 152 ff. Weitere Lit. s. Bd. II, 2 unter Heldenepos.

Die empfindlichste Lücke in der Beschreibung unserer älteren deutschenLiteratur besteht in der Unkenntnis unserer Volksdichtung. Gerade diejenigenSchöpfungen, in denen sich das deutsche Geistesleben am unmittelbarstenausgesprochen haben mochte, die volkstümlichen Gedichte, sind verschollen.Zwischen dem einzigen Rest unserer althochdeutschen Skopfdichtung, demHildebrandslied, und dem zeitlich demnächst uns erhaltenen frühmittelhoch-deutschen Spielmannsepos vom König Rother liegen dreiundeinhalb Jahr-hunderte, liegt die große Wandlung der Verskunst vom Stabreim zum End-reim, der technischen Gattung vom Lied zum Epos, vom germa-nischen Skop zum mittelalterlichen Spielmann.

Spielmann war im Grunde jeder, der ein Spiel zur Unterhaltung andererund um Lohn betrieb. Darum waren die Geschäfte der Spielleute 1 ) manch-faltigster Art und bewegten sich in sehr verschiedenen Sphären menschlicherTätigkeit. Man kann zwei Rangstufen unter den Spielleuten unterscheiden,die sich aber nicht streng trennen lassen, eine niedere und eine höhere Zunft.Zu jener gehörten dieunehrlichen Leute", 2 ) Marktschreier und Possenreißerjeglicher Art, Gaukler, Tänzer und Springer und Kunstreiter und Tierbändiger,Mimen und Puppenspieler, die sich im Land herumtrieben und auf denStraßen und Plätzen oder in den Wirtshäusern ihre Kunst der Menge zumBesten gaben; Musikanten, Fiedler und Pfeifer, die unter der Linde oderin der Schenke zum Tanze aufspielten. Zu Volksfesten, Kirchweihen, Jahr-märkten, Hochzeiten strömten sie zusammen oder zogen im Troß dem Heereauf dem Marsche nach. Bei Erecs Hochzeit waren es mehr als dreitausend{Hartmanns Erec 2158 ff.), dem Heere des Heidenkönigs Ymelot folgten wohl

') Die varnden, varnde Hute, varndia diet,varndez vole, als einzelner ein varnder man;die gernden (Gehrenden Bettelnden), gerndeHute, diu gernde diet. Der Possenreißer istder gumpelman (mhd. gumpel Springerei,Possengetrieb, verb. gumpeln), hovegumpel-man Possenreißer bei Hofe; spilman, spil-Iiule, spilwip, tanzer, Springer, singer, giger,videler, pf'ifer, vloitierer, harpfcere, rotteere,tamburwre, vgl. LG. I, 6369; Piper, Spielm.D. 1, 11; Schönbach aaO. Instrumente:

Alw. Schultz, Höf. Leben \-, 551 ff.;Fleischer, Pauls Grundr. II, 2 2 , 313; Piper,S. 11, Höf. Ep. 3, 710. Spielmannsnamen:Piper S. 2931; MOllenhoff, ZfdA. 7,530 f., Zur* Runenlehre S. 54, Z. Gesch. d.Nibelunge Not S. 19. 71; Ludw. Schönach,ZfdA. 31, 171185; Alfr. Schaer, Die ad.Fechter u. Spielleute S. 105108. 131 ff.;Wallner, Beitr. 33, 540546.2 ) LG. I, 86.