§ 79. Die Kaiserchronik vom Pfaffen Konrad. 279
Bremen 14 873 ff.; er ist zugleich der Friedensfürst, denn er hat das unverletzliche,beschworene Recht gegeben für alle Zeiten 14757 ff. 1 ), durch Erneuerungdes Constantinischen Vertrags (vgl. 8073 ff.) schützt er das Kirchengut gegendie Fürsten 14779—14787 und bestimmt die Kleidung der Bauern unterVerliängung der härtesten Strafen gegen die, die das Schwert tragen stattdes Treibsteckens und der Heu- oder Mistgabel 14783—14814. Von demütigerFrömmigkeit ist jede seiner Handlungen durchdrungen, bußfertig unterwirftsich der Nachfolger der Imperatoren einer noch stärkeren Macht, jener überdas Menschengemüt, der Beichte 15015—15068. Barfuß fleht er in denKirchen Roms zu Gott und ihm wird die höchste Gnade zuteil, die einemLaien bestimmt ist: die Ehre der Welt und zugleich doch das Heil derSeele 14366 f.
Das Reich Ludwigs des Frommen ist eine Erfüllung der Gründungdes großen Karl. Nach einer rasch erledigten Störung herrscht ungetrübtesVölkerglück. Im Gottesfrieden (15140) ruhen die Lande, Bi des chanigesLudewiges ziten (15202, vgl. 15164. 78), in der guten alten Zeit, da freutesich die Christenheit 15203. Es war das goldene Zeitalter. 2 )
In scharfem Gegensatz zu dem Walten der Gerechtigkeit unter demfrommen Ludwig besteht der Bericht über des „guten Helden" Lothar Re-gierung in der Erzählung einer Vasallenfehde, die vom Dichter klärlichnur aus Mangel an historischem Stoff hereingebracht ist. Ludwig derDeutsche vollends ist verwickelt in die schlimmste Zwietracht, in den• Bruderkrieg, und hier bewährt sich die Geistlichkeit und an ihrer Spitze derPapst als Hort des Friedens. Mit Karl dem Dicken ist die Reihe derKarolinger abgeschlossen. Von Taten war bei ihm wenig zu berichten, dafürschaltet der Verfasser sein Lieblingsmotiv von der erprobten Gattentreueein, in dem sich durch die Entscheidung des Ordals die GerechtigkeitGottes offenbart.
Die Aufgabe der folgenden Herrscher — es sind Arnulf, Ludwig dasKind, Konrad I., Heinrich I. — ist die Verteidigung des Vaterlandes gegenden Ansturm der Heiden, besonders der Ungarn oder der Hunnen, auchdie Niederwerfung aufrührerischer Vasallen. Durch Ottos I. Sieg auf demLechfeld, der durch das Gebet des heiligen Ulrich von Gott erfleht ist, wirdden Ungarneinfällen ein Ende gemacht 15932—15962. Die imperialistischeReichspolitik Ottos I. und seines Sohnes Ottos II. findet ihren Ausdruck inden italienischen Kriegszügen, kriegerisch ist auch der Bericht über Otto III.Mit Heinrich II., dem heiligen Kaiser, ersteht wieder, seit dem frommenLudwig, ein Idealherrscher in Milde und Güte und großer Demut 16148 f.,ain wärer gotes dienestman 16166 mit den Tugenden der Barmherzigkeitund Friedfertigkeit, Freigebigkeit und Gottesliebe 16157—16167, in tapferenKämpfen ein Bekehrer der Heiden und ein Befestiger der Christenheit durch
') Siehe Bd. I, 91. 146. I GoLD,ChronologieEkkehardsv.Aura,Qreifsw.
2 ) Ueber die „aurea tempora' vgl. Karl | Diss. 1916 S. 29 f.