§ 79. Die Kaiserchronik vom Pfaffen Konrad.
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Sätze zusammen bilden eine Heilslehre, die Silvesterdisputation ist eineSumma Theologiae. Im Plan des Gedichtes bildet die christliche Lehre mitihrer Spitze, der Taufe, den Mittelpunkt, sie ist an den Anfang der christlich-römischen Weltmonarchie gesetzt und enthält die religiösen Grundforderungenfür das Reich, in dem nunmehr das Christentum zur Herrschaft über dasHeidentum gelangt ist. Aber die Silvesterlegende birgt in sich eine tiefesittliche Wahrheit, die Selbstentsagung, die Aufgabe des Eigenwillens, dieNächstenliebe, die christliche Charitas: der aussätzige Kaiser will nicht umdas Blutopfer unschuldiger Kinder seine Gesundheit erkaufen, besser istes, daß ich allein sterbe, als daß so viele Menschen um meinetwillen ver-derben 7838 f. Aber wiederum genügt diese innere Umwandlung, die reineMenschlichkeit, nicht zur Erlösung vom Leiden, sondern den Entscheid gibtabermals die Glaubenssatzung, das Dogma: Heilung bringt dem Krankenerst die Taufe, die mystische Kraft des Sakraments. 1 )
In der Besprechung zwischen Faustinianus und seinen Söhnen werdendie Fragen um das Fatum (wilscelde) und um den freien Willen behandelt 2 )3063—3892. Ebenfalls in der Faustinianuslegende findet die Disputationzwischen Petrus und dem Magier Simon statt 2058—2590. Apostel undGaukler stehen sich gegenüber als Vertreter des Spiritualismus und desSensualismus 2425—2450, des Christentums und des Heidentums undihrer beiderseitigen gegensätzlichen Lebenszustände des Friedens und desKrieges 215&—2233.»)
B. Die deutschen Kaiser.
Der Umfang der einzelnen Stücke bewegt sich in mäßigen Grenzen,nur das Leben Karls des Großen, dem der Verfasser ganz besondere Ver-ehrung zollt, übertrifft mit 783 Versen an Ausdehnung weit die andern,die, außer Heinrich IV. mit 315 Versen und Lothar II. mit 240 Versen, sichzwischen ca. 60 und ca. 150 Versen halten. Die Anlage ist die gleiche wiebei den römischen Kaisergeschichten: Eingangs- und Schlußformel, in derMitte die Regierungstaten. Der Wortlaut der Eingangsformeln weicht ab,weil hier keine bequem reimenden Namen vorkommen wie dort die auf -us:.sus, -6: dö. Zweierlei Typen werden verwendet: bei der Erbfolge, wennder verstorbene Kaiser einen Sohn hinterläßt (der dann die Zustimmung derFürsten erhält), wird weitergefahren mit der Formel z. B.: Alse Ladewichvon der werlte verseiet, ainen tiurltchen sun er llez (Lothar) 15236, desgl.bei Karl d. Dicken 15394, Ludwig d. Kinde 15582, Otto I., II. und III. 15850.15974. 16064, Heinrich III. 16376 und ganz ähnlich bei Ludwig d. Frommen15092. Im Falle einer Wahl dagegen wird, von Arnold an, gesagt, daß dieFürsten auf einen König rieten oder ihn wählten: bei Arnold 15521 ff. (hier nur
') W. Grimm, Konrads v. Würzburg Sil-vester S. XIII ff. j Burdach, Vom MA. zurRef. 1, 217 ff.
2 ) RÖHRSCHEIDT S. 44 ff.
3 ) Pax und discordia sind die Aeußerungs-formen derCivilasDei und der civitasdiaboli.